Vom Mond fallen – Jacques Tati

„ (…) Ja, Jacques de la lune ist Poet, wie man es zur Zeit von Tristan L’Hermite war. Er sucht Äpfel am Birnbaum und findet sie auch. Er bringt es fertig, eine Einstellung am Strand zu machen, nur um zu zeigen, dass Kinder, die ein Sandschloss bauen, mehr Lärm machen als die Wellen. Genauso filmt er eine Landschaft, nur weil genau in dem Augenblick das Fenster eines Häuschens am äußersten Ende des Bildfeldes aufgeht, und ein Fenster das aufgeht, ist eben komisch. Genau das interessiert Tati. Gleichzeitig alles und nichts. Gräser, Drachen, Schlingel, ein kleiner Alter, egal was, alles, was gleichzeitig real, bizarr und charmant ist. Jacques Tati hat den Sinn fürs Komische, weil er einen Sinn fürs Seltsame hat.(…)“ (Jean-Luc Godard; Cahiers du Cinéma, Nr. 71, Mai 1957)

Interview with Jacques Tati (1977) from nanashi no gombe on Vimeo.

„Wenn sich Menschen nicht kennen, folgen sie geraden Linien. Wenn sie sich nahe sind, gehen sie in Kurven.“ (Jacques Tati in Jacques Tati (The Entertainers), Penelope Gilliat, 1976)

Auszüge aus einem Gespräch mit Elfriede Jelinek aus dem Jahr 1972:

Wie ist zum Beispiel Playtime entstanden?

TATI: Da bin auf der Straße gegangen und habe die Gebäude gesehen und die Leute, die darin eingesperrt waren, gefangen in ihren Möbeln, und da habe ich mir gesagt, du mußt etwas machen, du mußt versuchen, das aufzubrechen und ein bißchen Musik hineinbringen, damit die Leute was zu pfeifen haben.

Hatten Sie nach diesem Mißerfolg Schwierigkeiten, Geld für einen neuen Film aufzutreiben?

TATI: Ich lebe in einem kapitalistischen Land. Die Leute, die hier das Geld geben, tun das nur, wenn sie wissen, daß sie es bestimmt wieder zurückbekommen. Also geben sie es nicht Herrn Tati, sondern Monsieur Hulot, denn der hat in einigen Ländern ganz schön Kasse gemacht. Das ist das einzige, was diese Leute interessiert. Für mich bleibt Playtime der wichtigste Film, den ich je gemacht habe. Aber ich werde so etwas kein zweitesmal machen können. Ich werde nie wieder auch nur einen Penny für so einen Film bekommen. Doch immerhin: Einmal durfte ich, und in fünf oder zehn Jahren wird man sehen, daß das der Anfang einer neuen Art von Filmkomödie war, und dann werden auch junge Regisseure das machen dürfen, und es wird endlich wieder neue lustige Filme geben, Filme, in denen reale Situationen vorgeführt werden, die jedem passieren können und die auf jedes moderne Leben, ob in Singapur, Berlin, Paris oder Sidney, anwendbar sind.

Im Augenblick geschieht das Gegenteil: Überall werden die alten Chaplin-Filme gezeigt.

TATI: Herr Chaplin ist ein sehr geschäftstüchtiger Mann. Aber das wird die Entwicklung nicht aufhalten können. Die Zeit der Komiker, die ihre Wirkung fast nur durch Slapstick erreichen, ist vorbei. Der Slapstick ist ja nichts anderes als ein sehr starker visueller Effekt. In der Stummfilmzeit, als man zwangsläufig alle Möglichkeiten visueller Komik probierte, war das auch durchaus berechtigt. Doch als dann der Tonfilm kam und die Produzenten ihr Geld dafür hergaben, daß die Autoren den Witz in die Worte legten, hat die Slapstick-Komödie ihre Grundlage verloren. Irgendwie ist das schade. Denn ein komisches Gesicht merkt man sich, einen lustigen Satz vergißt man sofort. Aber die Entwicklung ist nicht rückgängig zu machen. Es ist einfach nicht komisch, wenn man heute im Film jemandem weiße Farbe ins Gesicht schmiert, obwohl die Leute da immer lachen und obwohl man da sehr viel Farbe verwendet. Nur ist das, selbst wenn man frische Farbe benutzt, nicht der richtige Weg, die Atmosphäre des heutigen Lebens wiederzugeben und das Publikum für die kleinen Scherze des Alltags zu öffnen. Ich möchte erreichen, daß die Menschen auf unterhaltsame Weise ein bißchen sensibler und gescheiter und intelligenter werden. Ich möchte sie nicht für so dumm verkaufen.

 

„Monsieur Hulot ist der Beweis dafür, dass das Unerwartete oder Unzusammenpassende jederzeit auftauchen kann, um die Ordnung der Schwachsinnigen zu durchbrechen.“ (André Bazin)

„Tatis Film ist der erste Film in der Geschichte des Kinos, der nicht nur mehrfach angeschaut werden sollte, sondern auch aus verschiedenen Distanzen. Wahrscheinlich ist es der erste wahrhaft offene Film. Wird es der einzige bleiben?“ (Noël Burch, Praxis du cinéma, 1969)

Interview mit Jonathan Rosenbaum

„Was mich persönlich zum Lachen bringt, ist alles, was offiziell ist. Ich meine, ein Clown auf der Bühne bringt mich weniger zum Lachen als ein Premierminister, der im Bewusstsein seiner starken Persönlichkeit auftritt. Ich warte darauf, dass ihm ein Missgeschick passiert.“ (Jacques Tati)

Abbas Kiarostami: Ein Augenzwinkern im Abspann

Gegen Ende der Abbas Kiarostami Erinnerungs-Retrospektive im Österreichischen Filmmuseum habe ich mir an drei aufeinanderfolgenden Tagen die Filme im Kino angesehen, die ich vor mittlerweile zwei Jahren im Zuge einer akademischen Abschlussarbeit auf ihr Mischverhältnis von Realität(en) und Fiktion(en) sezierte. Insofern waren die Kinobesuche aus reinen Vergnügen eine späte Form der Befreiung, selbst wenn sich die angelesenen und -gedachten Theorien auf die Filmerfahrung legten, wie der erste Raureif auf die dezemberlichen Windschutzscheiben. Ohne einer universitären Deadline im Kopf ereignete sich nun beim Kinozusehen der 35mm-Kopien von Va zendegi edameh darad/ Und das Leben geht weiter (1992), Zir-e derakhtan-e zeytun/ Quer durch den Olivenhain (1994) und Bad ma ra khahad/ Der Wind wird uns tragen (1999) eine für mich überraschende Erkenntnis: Kiarostami hat Humor! Zum einen nistet er sich in den Dingen ein. Zum anderen springt er in den Dialogen hervor. Sein Freud und Leid ist die Wiederholung. Kiarostamis Humor hat aber – wie ginge es anders? – mannigfaltige Schichtungen. Eine Spurensuche:

Vater und Sohn in Und das Leben geht weiter stehen im Stau. Um diesem zu entkommen, nimmt der Vater eine Seitenstraße und fragt fortan nicht nur einmal nach dem Weg, sondern andauernd. Doch selbst wenn ihm die Gefragten Auskunft erteilen können, befolgt er diese nicht, sondern folgt stur der Straße, denn, so seine Logik, solange eine Straße da ist, führt sie auch wo hin. Die Inszenierung des Staus (vor allem der Moment, in dem der Junge eine warme Cola durch das Autofenster in ein anderes Auto reicht, wo sie einem Baby zu Trinken gegeben wird) lässt mich an Trafic von Jacques Tati denken. Dort steht Monsieur Hulot, der in einem gelb-blauem Lastwagen auf dem Weg zu einer Automobilmesse in Amsterdam ist, gleich zweimal im Stau – perfekte Gelegenheiten für die Kamera, die anderen Autofahrer beim tastenden Griff zur (und in die) Nase und beim Gähnen zu beobachten. Monsieur Hulot und seine wechselnden fahrbaren Untersätze in diversen Tati-Filmen resonieren auch in der Beziehung zwischen dem Mann und seinem Auto in Und das Leben geht weiter: gegenseitige Abhängigkeit schmieden Mann und Auto aneinander – er nutzt es als Fortbewegungsmittel und Lebensraum, es benötigt Wasser und Benzin für den überhitzen Motor und äußert dieses Verlangen in gut hörbaren Geräuschen. Recht trotzig reagiert der Mann gegen Ende des Films auf den zweifelnden Blick eines Passanten, ob sein Auto die steile, bröckelige Straße schaffe: es sei immerhin das einzige Auto, das er habe, es müsse es schon schaffen. So kriecht das kleine gelbe Auto in einer der finalen Panorama-Einstellungen mutig auch die vertikalste Straße hinauf. Kurz vor der letzten Kurve versagt allerdings sein Motor und es rollt rückwärts den Abhang hinunter. Der Mann steigt aus, blickt auf einen entfernten Hügel, wo die zwei Jungen, die er einholen wollte, unermüdlich voranschreiten. Die Musik (es klingt nach Vivaldi) setzt mit melancholischen Klängen ein. Wiederum im Panorama gefilmt, sieht man wie der Passant, den der Autofahrer vorher am Straßenrand stehen ließ, hilft, das müde wiehernde Auto ins Bild-Off zu schicken, um anschließend mit schweren Säcken auf dem Rücken die Straße emporzusteigen. Aha, Mensch versus Maschine und der Fußgänger siegt, denkt man sich, und die Zahnräder der Modernekritik fletschen schonmal ihre Zähne. Doch als der Fußgänger oben angekommen ist, gibt es eine musikalische Wendung, Vivaldi wird verspielter, fröhlicher und – siehe da! – das kleine gelbe Auto brummt wieder ins Bild und fährt, diesmal mit mehr Schwung, abermals den Hang hinauf. Wieder stockt es kurz vor der letzten Kurve – , schafft den Berg aber schließlich mit Müh und Not und nimmt diesmal den bereits auf den Hügel befindlichen Passanten mit.

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Im Auto, das neben der Kamera die unverzichtbarste Maschine für Kiarostamis Filmschaffen ist, ereignen sich außerdem die absurdesten Dialoge. Die Fahrer sind meist Alter Egos Kiarostamis. Diese sind immer Städter, immer Intellektuelle, immer Außenseiter, die in die ländliche Idylle, bzw. Unglücksorte (Erdbebenregion rund um Koker) eindringen. Doch sie sind immer auch reflektierte, leicht starrköpfige Individuen, die gerne viel reden. Auch die DorfbewohnerInnen (zumeist sind es jedoch Männer oder junge Burschen) sind nicht auf den Mund gefallen und werden auch gehört. Ein Aufeinanderprallen solcher Gegensätze erzeugt unweigerlich komische Momente. Quer durch den Olivenhain beispielsweise dreht sich um die (Nicht-)Beziehung zwischen der fleissigen Schülerin Tahereh, die selten spricht, aber wenn sie es tut, dann widerspricht sie gerne, und ihrem Verehrer, dem Analphabeten Hossein, der große, sozialistische Ideen hat und wortreich von einer emanzipierten Ehe träumt. Er sitzt auch im Auto, als die Filmassistentin vor einer blockierten Straße haltmachen muss. Die Bauarbeiter scheren sich nicht drum die Straße frei zu räumen, im Gegenteil, sie legen eine solche Nonchalance an den Tag, dass der reschen Assistentin fast die Kühlerhaube hochgeht. Auffordernd sieht sie Hossein an (der allzu oft herumkommandiert wird), der aber macht deutlich, dass er nie wieder auf dem Bau arbeiten werde und rührt keinen Finger. Diese Direktheit der ProtagonistInnen, die sich durch Aussagen oder auch durch vehementes Schweigen äußert, wirkt oft wie ein Drahtseilakt zwischen absurder Komik und sturer Rebellion, kann dabei aber auch viel mehr sein. Bezeichnend dafür ist die Schlusssequenz des Films: Hossein folgt Tahereh quer durch den Olivenhain und beschwört sie mit einem schier untragbaren Redeschwall, dass sie ihm doch antworten solle. Die Szene zieht sich endlos, die Kamera nimmt eine immer größere Distanz von dem potentiellen Liebespaar ein, bis sie nur noch Punkte in einem wogenden Blaugrün sind. Plötzlich stockt die Bewegung, man vermeint wahrzunehmen, dass Tahereh sich kurz umdreht und ein unhörbares Wort sagt – der winzige Punkt, der Hossein ist, springt im Takt zu Domenico Cimarosas Oboe Konzert wie ein fröhliches Welpen über das Gras zurück. Kiarostamis Humor, der durch die Distanz der Einstellung und der Choreografie zwischen Musik und Bewegung seinen Ausdruck findet, umweht hier ein Hauch von Romantik und Poesie.

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Am häufigsten musste ich in Der Wind wird uns tragen schmunzeln. Der Film öffnet mit einem Panorama auf eine liniendurchzogene, gold-grüne Landschaft, darin fährt ein Auto. Man hört einen Dialog, der, wie anzunehmen ist, unter den im Auto sitzenden Männern geführt wird. Es ist das Auto, das dreistimmig monologisiert und den Weg sucht, der absurderweise anhand des Baumbestands beschrieben ist. Beim alleinstehenden Baum müsse man abbiegen, nur ist der Hang, wie eine der Stimmen bemerkt, gesäumt von alleinstehenden Bäumen (insofern das kein Widerspruch in sich selbst ist). Körperlose Stimmen ziehen sich als komisches Element durch den ganzen Film. Zwei, der drei Männer existieren nur als Stimmen im Off-Screen, entweder sind sie im Dunkel eines Zimmers verborgen oder die Kamera bleibt auf Behzads Gesicht, der der Organisator der Truppe ist. Dieser ist abhängig von einem kleinen Apparat, dem Handy, der ihn immer wieder durch den Ort zu seinem Auto sprinten und auf den Friedhofshügel rasen lässt, damit er die unhörbaren Anweisungen seiner Auftraggeberin erhören kann. Nach diesen Gesprächen spricht Behzad zu einem Loch, so scheint es, doch in dem Loch, das für den zukünftigen Funkmasten gegraben wird, befindet sich ein (nie sichtbarer) singender Arbeiter. Dessen Freundin wiederum sucht Behzad in einem dunklen Keller auf, um Milch zu holen – zu hören ist seine Rezitation eines Gedichts von Forough Farrokhzad, der Milchstrahl des Melkens, ihre zögerlichen Erwiderungen; zu sehen sind ihre melkenden Hände, der bunte Stoff ihres Kleides, das Gitter des Stalls. Ein erotisches Phantom, das nicht nur den Mann im Erdloch und den Mann mit Handy und Auto umtreibt.

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Wen man wollte, könnte man Der Wind wird uns tragen auch als running gag lesen, denn die Struktur des Films besteht aus der möbiusartigen Wiederholung des Handyläutens, des Rennens zum Auto und der Fahrt auf den Hügel (inklusive unbefriedigendem Telefonat). Nach dem gefühlten fünften Mal stellt sich wohl beim Großteil der ZuseherInnen Ermüdung ein. Wiederholungen des Komischen sind zwar beliebte Stilmittel, haben aber geringe Haltbarkeit. Die Spurensuche in Kiarostamis Filmen nach den Spezifika seines Humors lässt aber erahnen, dass gerade die vehementen Wiederholungen einen wichtigen Aspekt desselben ausmachen. Weiteres kristallisiert sich durch die Analogie mit Jacques Tati heraus: Dessen Objektkomik, das Spiel mit diegetischem und nicht-diegetischem Sound, die Sprache, die Suche nach dem Weg, das Vorhandensein der Kunstfigur Monsieur Hulot verweisen darauf, dass klassische Konzepte Kiarostami nicht fremd sind (es heißt, er wäre ein großer Slapstick-Fan gewesen). Im Gegensatz zu Tati aber platziert Kiarostamis seine humoristischen Handlungen und Bilder nicht in ein strukturiertes, choreografiertes und künstliches Setting, sondern in eine Welt, die unbedingt als real wahrgenommen und von authentisch wirkenden, beständig redenden Charakteren bewohnt wird, was seinem Humor eine (wenn man so will) humanistische Note verleiht. Die Poesie schleicht sich schlussendlich ständig ein, am liebsten durch die kongeniale Anwendung des sich Entziehens: zuerst sind es die Jungen in Und das Leben geht weiter, die am Horizont verschwinden, dann ist es die Erwiderung Taherehs auf Hosseins Heiratsantrag, die uns durch die Distanz der Kamera entgleitet, und schließlich ist es das Dunkel, in das die Melkende in Der Wind wird uns tragen gehüllt wird. Die Kunst der Distanz, des sich Entziehens scheint somit das prägnanteste Merkmal Kiarostamis Humor zu sein, von dem im Abspann nur ein Eindruck zurückbleibt … ein Augenzwinkern.

Viennale 2016: Inimi Cicatrizate

  • Rainer, you complained about the woman sighing at a screening of Inimi Cicatrizate. I watched the film alternating between sighing and holding my breath. I experienced voluptuous pain when reading each of the excerpts from Blecher’s work quotes presented as intertitles and was at each moment mesmerized by Jude’s mastery of mise en scène. It is a film of odd beauty, one easily gets lost in its richness. There is absurdity in Inimi Cicatrizate, but it is another kind of absurdity, one that has choked on itself (Patricks review of the film).
  • Further moments of bliss with Peter Hutton: two men walking up the suspension cable of a bridge in Three Landscapes.
  • After so many festival days, the Viennale feels just like the merry-go-round-roundabout traffic-jam scene in Tati’s Playtime. In (the negligible) O Cinema, Manoel de Oliveira e Eu, João Botelho claims that the secrets to de Oliveira’s health were drinking whiskey and eating toasted bread with pure olive oil. I guess that having Playtime for breakfast in Gartenbaukino might work in the same way for all of us.
  • Six years after Meek’s Cutoff Kelly Reichardt makes a discreet-feeling and great film about people meeting people and almost every decision in it seems to come out of necessity.
  • Luc Dardenne confesses that in La fille inconnue he and Jean-Pierre have tried to create a charater with a sort of consciousness which they feel has dissappeared from society. I wish I could feel less like I’m being preached to.
  • Having to sit in a box in the Historischer Saal of the Metro Kino and watching the film with the view blocked by (beautiful perhaps) sculpted wood makes one think about the Eric Pleskow Saal with a feeling that almost resembles fondness.
  • Hans Hurch awards the Meteor(ite) Prize to Jem Cohen but we all suspect him of having betrayed the filmmaker by giving him not a piece of meteorite but something he brought from his trip to Greece.
  • For all those who have, like me, always wondered if filmmaker use special effects in order to make Emmanuel Salinger’s eyes appear bigger – no, they don’t. I’ve seen him in the lobby of Metro Kino.

Das Staunen von Jacques Tati

Ich wusste nie, ob Jacques Tati Zeit zum Staunen hat. Die Frage stellte sich mir, weil ich in meinem Leben ohne Vorwarnung und mit zunehmender Häufigkeit mit Momenten konfrontiert werde, die mich an Tati denken lassen. Ich stelle mir dann die Frage, ob Tati sozusagen das Opfer zum Beispiel einer nicht funktionierenden Tür, eines kleinen Missgeschicks oder ob er der Betrachter wäre. Ziemlich sicher ist er der Designer, denn wir sind uns wohl alle einig, dass es ohne Tati solche Türen und Maschinen gar nicht gäbe in der Welt. Denn wie Chaplin vor ihm, hat Tati die Orte und vor allem die Situationen (wenn man denn von Situationen sprechen will und nicht von Zuständen) markiert, die er filmte. Sie gehen jetzt durch ihn hindurch, weil er durch sie gegangen ist.

Tati, den wir gar nicht nicht mit Hulot verwechseln wollen (der Grund wird sich noch zeigen, wenn er denn will) hat einmal festgestellt, dass Menschen gerade gehen, wenn sie sich nicht kennen und in Kurven gehen, wenn sie sich nahe sind. Er ist also ein Betrachter. In Playtime gibt es eine Sequenz in einem verglasten Wartezimmer. Tati geht umher. Er sieht Dinge an, er probiert sie aus. Zum Beispiel diese Stühle dort im Wartezimmer. Sie passen sich elastisch der Form und des Drucks der Sitzenden an und sobald sich diese erheben, verharrt das Material noch einige Augenblicke in dieser Form, bevor es mit einem dezenten Geräusch in die Ursprungsform zurückspringt. Tati wird zunächst mit den Stühlen konfrontiert, weil er sich auf sie setzt. Es ist also, wenn man so will, keine Beobachtung, die er hier macht, sondern eine Erfahrung. Doch wenn man die Sequenz genau betrachtet, dann bemerkt man, dass Tati bereits bevor er sich setzt, durch reine Beobachtung bemerkt, dass es sich um ungewöhnliche Stühle handelt. Er entwickelt eine Neugier. Probiert unterschiedliche Stühle aus und betrachtet. In den heraufbeschworenen Unfall einer Konfrontation mit der Absurdität der Modernität geht dieser Mann sehenden Auges hier. Und das obwohl seine Anwesenheit in diesem Raum schon einem absurden Unfall gleicht. Denn vor dem Wartezimmer auf die Ankunft eines Mannes wartend wird Tati, als dieser ankommt, in das Zimmer geschickt, um dort zu warten.

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Andererseits rutscht Tati immer wieder leicht aus in diesem Wartezimmer in Playtime. Das hat wenig mit Betrachtung zu tun und viel mit dem Boden, dem unvermeidlichen Boden. Es sind fast beiläufige Rutscher, kein großer Fall, nur eine Störung des Normalen. Wie die vollgestellten Räume bei Pialat, ein Hindernis. Das ist auch eine Frage: Sucht Tati diese Missgeschicke, finden sie ihn oder sind sie einfach? Man denkt an das Fahrrad in Jour de fête, es fährt von selbst. Hat Tati hier Zeit, um zu Staunen? Ich stelle diese Frage, weil ich mich wundere, ob man Staunen würde. Ich habe nämlich ganz im Gegenteil den Eindruck, dass aus einer Mischung von Beobachten und Missgeschick bei Tati, der ja auch Hulot ist (so wie Hulot ein beobachtender Filmemacher ist, ein Filmemacher des Unfalls und der Antizipation) eine Passivität entsteht. Zwar wird er nicht durch die Welt geschoben, aber von der Welt geschoben. Diese Passivität ist die Folge des Driftens und Schauens, bei dem jedes Missgeschick ins nächste übergeht, keine Pointen oder Gags zugelassen werden wie sie andere Filmemacher schon lange gemacht hätten, sondern nur der Übergang einer beständigen Verzweiflung. Playtime ist nicht nur deshalb einer der verzweifeltsten Filme, ein Film der konstanten Überforderung, des Fehlverstehens. Letztlich ist Hulot nicht passiv, er macht einen Film. Er blickt und bewegt sich. Passiv wird unter seinen Blicken und Bewegungen die Welt. Gleichgültig. Das Staunen von Tati, wenn es denn eines gibt, wird nicht wie in Hollywood untermalt von einer forcierten Mimik der Überwältigung. Vielmehr ist es die Tatsache der Überwältigung, motorisch und psychisch, die sich hier in die Bewegungen und das Betrachten einschreibt. Das Staunen in Hollywood bezieht sich immer auf das Große, Angsteinflößende, Wunderschöne, jenes bei Tati immer auf das Absurde, Nicht-Funktionierende, Bizarre. Das Staunen von Tati gilt jenen Dingen, die wir selbst so kennen, aber nie so wahrgenommen haben, jenes aus Hollywood gilt dem, was wir nie erleben werden. So ist sich das Bestaunte in Hollywood auch der Staunenden bewusst. Es reflektiert, dass es betrachtet wird. Es wird ein Spektakel liefern, es wird einen Anfang und ein Ende haben. Bei Tati dagegen ist das Bestaunte gleichgültig gegenüber der Umwelt. In den Worten des Filmemachers nehme es sich selbst zu wichtig.  Es geht einfach weiter, es ist nichts, es existiert nur im Blick und der Bewegung des Filmemachers Hulot.

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Dann staunt Tati doch in diesem Wartezimmer. Er staunt über einen anderen Mann. Der andere Mann passt besser zu diesen Stühlen, in diese Welt. Das ist auch so eine Sache mit Tati und Hulot, dem Filmemacher. Er ist immer zugleich in der Welt, verloren, umzingelt und aus ihr herausgefallen, als Beobachter. Oft verschwindet er deshalb. Entweder unter den vielen im Bild oder ganz aus dem Bild. Federico Fellini hat einmal dasselbe über seinen Freund und Mentor Roberto Rossellini gesagt. Ein Mann, der scheinbar nicht anwesend ist und doch mitten in der Welt alles so viel stärker wahrnimmt, als alle anderen.   Ein Fremder, könnte man sagen. Nicht bezüglich des Ortes, sondern gegenüber der Zeit. Das beste Bild dafür hat Tati natürlich selbst gefunden, es sind die Fußabdrücke, die er immer wieder hinterlässt. Er ist da, obwohl er schon nicht mehr da ist. Hulot kadriert den anderen Mann und Tati in einer Halbtotale, wobei Tati im Bildhintergrund sitzt, seinen Schirm zwischen den beiden auseinander klaffenden Beinen aufstützt und bewegungslos, man möchte sagen machtlos, die stockenden, sich wiederholenden Rituale des Mannes betrachtet. Was Hulot uns nicht gibt ist ein Close-Up. Diese Verwunderung ist keine Sache der Emotion, sie ist eine der Passivität. Diese Szene könnte auch einfach am Zuseher vorbeigehen. Das Staunen überträgt sich nicht. Ganz im Gegenteil wird es eine Frage der Aufmerksamkeit. Deshalb die Frage: Ist da ein Staunen? Sobald die Frage gestellt ist, hastet Tati zur nächsten wirklichen Unwirklichkeit: Eine riesige Fensterfassade, großes Thema im Film. Einen Augenblick glaubt man, dass es sie gar nicht gibt, so durchsichtig ist sie. Tati steht davor und er staunt. Er staunt, weil er nicht mal bemerkt, was hinter ihm passiert. Der Mann, auf den er wartet, passiert ihn. Dieses Staunen macht Tati erst passiv. Es setzt ihn außer Gefecht. Aber immer nur bis zum nächsten Staunen.

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In Mon oncle dann eine Verfremdung des Staunens. Es entsteht auch durch die Perspektive. Mehrfach sehen im Film Dinge anders aus, weil sie aus einer bestimmten Perspektive betrachtet werden oder von einer Architektur, die zu dieser Perspektive zwingt, deformiert werden. In einer der vielen Sequenzen im Garten halten die Hausbesitzer ihre Nachbarin aufgrund des halbgeöffneten Eingangstores für eine Verkäuferin, später nutzt ihr Sohn einen Spalt im Zaun für seine versteckten Scherze (ein Kind, dass Hulot der Filmemacher auch geblieben ist). Die Perspektive, die auch immer eine Frage der Kadrierung ist, zeigt, dass der in dieser Welt betrachtende Tati der gleiche Mann ist wie der Filmemacher Hulot. Der Sohn versteht ihn und dreht sich in einer exakt auf die zufallende Tür abgestimmten Bewegung. Außerdem weiß er, dass er sich hinter einer Mauer verstecken muss, um vom Küchenfenster aus, nicht gesehen zu werden. Der blockierte Blick ist ein großes Thema bei Tati. Eigentlich ist es ein Staunen darüber, dass kein Staunen mehr möglich ist. Oder es ist nur noch Staunen möglich, weil es keine Berührung mehr gibt.

Später reißt der Junge einen Ast im Garten ab. Heimlich zeigt er sein Missgeschick Tati. Nun kann dieser dieses Missgeschick weitaus besser nachvollziehen, als sein Fehlen. Statt es zu Reparieren versucht er folgerichtig die Symmetrie der zwei an der Wand angerichteten Dreizack-Formationen von Ästen (ja, das ist es) wiederherzustellen, indem er den entsprechenden Ast auch auf der Gegenseite abreist. Gleichzeitig erscheint rechts von der Mauer immer wieder der Vater des Hauses, der in einem Wippstuhl sitzt und regelmäßig nach hinten ins Bild wippt. Der staunende Blick bei Tati ist auch ein paranoider Blick. Einer, der nicht ertappt werden will. Der verschwinden will. Aber nicht immer kann. Eine alte Seele in einer neuen Welt. Schließlich ist das Staunen auch eine Sache des Tons bei Tati. Er hat es selbst „le gag sonore“ genannt. Ein Geräusch das nicht stimmt. Eine Differenz zwischen Ton und Bild, die nicht zuletzt aufgrund der Arbeitsweise von Tati zustande kam. Direktton gibt es praktisch nicht. Beim Tennisspielen in Les vacances de Monsieur Hulot klingt der Ball wie eine Blechdose. Es überrascht nicht, dass Tati mit dieser Differenz aus Ton und Bild dermaßen im Einklang ist, dass er mit seiner unkonventionellen Technik seine Gegner in die Verzweiflung treibt. Es ist Hulot der Filmemacher, der das Chaos, das kurze Staunen über diese komischen Bewegungen und Geräusche festhält. Hier trennen sich der Beobachtende und der in der Welt seiende. Tati und Hulot, der eine als Instrument des anderen, beide im Kino und darüber hinaus.

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In Trafic klettert Tati auf einen Baum. Es fällt ihm erstaunlich leicht. Was ihn behindert ist der künstlich angebrachte Wein an der Häuserfassade. Das Fenster ist blockiert davon. Der Blick ist blockiert davon. Der Eingang ist blockiert davon. Nach einiger Zeit passiert, was passieren muss. Tati hängt kopfüber im Wein. Er ist gezwungen dort zu verharren, als ein junges Pärchen kommt. Passiv. Er muss beobachten, obwohl er im Schlamassel steckt. Die Kamera jedoch, der Film, verlässt Tati an dieser Stelle. Er folgt dem Auto der jungen Frau. Als wäre die Kamera Tati. Staunend, machtlos wandernd, mitten in der Welt und doch so weit weg.

Music for the Deaf: Pastorali by Otar Iosseliani

Please allow me a short remark before starting with my initial reaction to Pastorali by Otar Iosseliani. When I first started writing about film it was all because of a strange impulse that wanted to understand and save the memories of a certain film through writing. It somehow had to be an immediate response as if I was afraid to loose the emotions this or that film educed from me. After writing about cinema for a couple of years this impulse has somehow grown weaker. I think it happened not because my excitement was less or my understanding was better, but just because I experienced the quality, pleasure and reason of slower writing. As we say: To let thoughts grow in itself, to read other stuff about it, to see more, to see again, to find a more precise position. When watching Pastorali yesterday night at the Austrian Film Museum all this reason vanished. I just had to write. Or in other, more commonly used words: It is a film that restored my faith in cinema (though I didn‘t really need it at this time).

Pedro Costa‘s notion that with his films he wants to write letters for those who are too tired to write gets a whole new turn when thinking about Otar Iosseliani‘s stunning Pastorali. The notion of this film could be: The images give music for those that are not able to hear it.

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In this film that moves our gaze through the daily struggle and life of a rural village in Georgia, a couple of musicians try to practice their music at a village that doesn‘t really ask for it. Their music disappears and flourishes beneath the sounds of the place. People fighting, screaming, always working, it is a grubby and noisy place full of animals and emotions. Even a peaceful apple tree is screaming with the sound of insects. It is like a dance, it is, in Iosseliani‘s words, like a skeleton that moves and rubs image against image in the most poetic way possible. The musicians are always interrupted when they start, every movement is juxtaposed with another movement and a muddy irony establishes a musical poem with images that remind of Jacques Tati as well as of Lucian Pintilie. The letter Iosseliani writes is not possible. The musicians hardly understand the rural people. Yet, a connection gets established through music or better: “the musical“ as the film moves on. In the end, a girl of the village listens to music after the musicians have left the place. It is a memory but it is also a sound as well as it is part of the heart of the people. Iosseliani‘s artistic education started with music and music shapes his cinema.

We could approach a description of the film by talking about different musical patterns. The first one that comes to mind is: Repetition. In Pastorali images reappear. There is for example a farmer almost collapsing under the sheer mass of the hay he is carrying. We see him two times with the hay. Women are constantly hanging out the laundry or cleaning up. We see them so often that the working women become something like an establishing shot. The musical patterns are also constructed around the ideas of arriving and leaving. Movements get repeated in different directions that way. For example the bus bringing the musicians arrives at the beginning of the film and leaves at the end. This way a feeling of volatility gets established.

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Moreover themes or motives get combined after a certain time. For example, lets look at the sun and the window. The sun is (as so often in cinema) mostly present off-screen. But certain shots focus on the distant planet. One announces a kind of eclipse through dark clouds, one is just the peace of a well deserved evening. The window is a more prominent motive in the film. One of the inhabitants builds a new window and causes violent protests by his neighbors who are not happy about the window facing their garden and house. A huge argument develops while the window is set up into the unfinished building. As all good metaphors in cinema this window is a metaphor for too many things to nail it down to one. Later a mediator tries to communicate through the window but there is a distance now that allows silence or privacy. There are much more windows in the film. Constantly people are looking ot of them. Are they in a prison or on a stage? Then it gets evening and the window merges with the sun. In a shot unmatched in its beauty we gaze through the window at the sun. Even if there was no reason to build this window, this shot alone justifies it all. Suddenly the rather absurd work with the window gets a sense. Here we can also find one of the underlying ideas of the music in the images as beneath all this chaos and stumbling lies beauty and necessity. After this shot the filmmaker cuts to the owner of the window smiling confidently, while staring at the sun through the window.

Another musical pattern we might refer to is the rhythm or pace. As the musicians restart their practice from time to time the movement of images and sounds draws a deep breath and starts from the beginning. The feeling of a very organic “Stop and Go“ gets enhanced by the way natural forces are presented in the film. We can think about rain and sunshine here or the way Iosseliani shows the passage from day to night and back again. Seemingly the pace comes from a nature the films observes. It follows the rhythms of the village and every attempt to add something external to the place (starting to play the music) gets swallowed until it is a part of the organic poetry of sounds.

The editing of Pastorali is close to António Reis, Robert Beavers or Artavazd Peleshian. On the one hand we can clearly sense a sort of intellectual pattern that works with political juxtapositions or associations (Eisenstein is the common man of reference here). For example if you can see apples, then you have to see where the tree is standing, too. If you can see the beauty of the horse, you have to see the struggling of the cow. If you can see all those people being transported at the same back of a truck, then you have to see yourself watching them from a passing train. However, there is also something else that can be related to this rather unusual combination of directors cited above. There is a playful, tender element that searches for an image between what we can see, it was named a third image, but with Pastorali I would prefer: A musical image. Peleshian talked about a montage with images that don‘t exist. He talked a lot about the combination of the visual and the aural. With Pastorali the aural is a melody. Peleshian named his montage, a montage of contexts where images are shown in different contexts. Iosseliani plays with this by using irony and poetry at the same time. A good example would be an unforgettable fishing scene in which two “fishermen“ (one wearing a tie, a shirt, very short trousers and gumboots) have a very strange method of getting their fish out of the water. The sequence begins with an explosion without context. Something exploded in the river, a spout of water in the air. We don‘t know what caused the explosion. Our two fishers run to the place of the explosion in the river and collect the dead fish. Now, for the first time in this sequence our perception is shifting but still different possibilities remain as to what might have caused the explosion. After a while we finally see it. One of the guys throws a grenade into the river. As we still have to deal with the absurdity and violence of this procedure we see in what we can call a Georgian-John-Ford-shot a man on a horse arrive from a distance. Now again, we do not know why he is coming and who he is. There is no context, just the idea of arriving. First there is just the sound and the image. The context shifts when he finally arrives and we see that the rider is a guard who cares shit about what his two friends are doing. As the context grows more and more important throughout the scenes it becomes clear that a sole image is not to be listened to without its context. It feels like discovering melodies in a musical composition. We can say that context is also a question of sounds and music in Pastorali. It is as if every element of the soundtrack adds to the musical composition. Iosseliani works with repetitions, juxtapositions and rhythms on the soundtrack, too. For example we can hear singing birds as well as a roaring airplane. Sudden screams as well as tender muttering. Like with Tati a feeling emerges that makes us accept all those sounds as part of the same universe, a universe that goes on without the put-on drama we tend to fall for.

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This is to say, of course, Iosseliani‘s montage is not really comparable to the one‘s of Beavers, Reís or Peleshian, it is just a combination of form, music, poetry, politics, tenderness, playfulness and the importance of their theories that brings them to mind. This brings us back to the skeleton where everything works for itself but also as part of a bigger flow. The musical image is also an image of love in Pastorali. There is a love story told through two images rubbing against each other: Secret gazes, little movements, the excitement of arriving and the melancholy of leaving. The story exists but isn‘t told between a young woman of the village and a musician. Like the music, the love is never really allowed to blossom as it blossoms in-between the images. There is a smile, a look through the window, a way to look at the mirror and of course, the movement between two shots that carries in it a longing. It is not only a film about music and love, it is a film of music and love.

Jean Mitry has written that there is no rapport between musical and cinematic rhythm. In an emotional response after seeing Pastorali I am tempted to say: He is wrong.

Rotterdamnation: “Being a buffalo is an art”

  • Highlight des Festivals bislang (wenn ich das nach Entdeckungen betrachte und Philippe Garrel um einige Zeilen verschieben darf)  ist Pietro Marcellos Bella e perduta. Die (innere) Stimme und die Augen (keines Esels, sondern) eines Büffels fungieren als emotionale und philosophische Führer  durch einen Film, der vermutlich unvereinbare Register, die ich vielleicht ein anderes Mal genauer beschreiben muss, auf eine wunderbare, Seltsamkeitsgefühle induzierende Art vermischt. Es geht dabei nicht nur um die Vermischung vom Dokumetarischen und Fiktionalen, von der “Hybridität” des Films, die an sich, egal wie meisterlich verwoben, schwer noch das Gefühl einer frischen Entdeckung verursachen kann. Mit verlassenen Schlössern, einer commedia all’improvviso Figur, die die Kommunikation zwischen den Toten und  den Lebenden ermöglicht und einer merkwürdigen Art, dann und jetzt zu thematisieren und zu zeigen im Kopf, stelle ich den Film beiseite und bereite mich darauf vor, nach dem Festival mehr daran zu denken.
  • Sie saßen auf den Sofas und dann merkte ich, dass sie Chaplin anschauen:

 

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  • Für mich fängt das Festival erst richtig an, für die meisten scheint es schon aus zu sein. Einige Sofas und Tische, wo manchmal Interviews geführt werden, sind seit gestern verschwunden und Pressescreenings wird es auch nicht mehr geben.
  • In der nicht-wackelnden Fragilität von L’Ombre des Femmes, die zusammen mit einer weichen Klarheit kommt, habe ich etwas gefunden, von dem ich nicht wusste, dass ich an Film vermisst habe. Ich denke da nur zur Hälfte an Stanislas Merhar. Vielleicht ist es Notwendigkeit. Vielleicht ist es die Schönheit des jahrelangen Engagements, sich mit Beziehungen auseinanderzusetzen. Hast du gesehen, wie die Figuren zittern?

 

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  • Entweder springt Regen eigentlich aus dem Boden raus, oder ich habe ein Loch in einem Schuh.
  • Nach dem Festival ist es endlich Zeit, weitere Filme von Artavazd Pelešjan zu sehen und dann Marcellos Il silenzio di Pelesjan. Ich hoffe, dass Pietro Marcello und Julian Radlmaier, dessen Ein proletarisches Wintermärchen mir immer spannender scheint, sich kennen. Ich hoffe auch, dass mein Kopf sie nicht wegen Schlössern, sondern wegen einer ähnlichen Auffassung von  Film(emachen) zusammenbringt.
  • In einem Kino gibt es Tati-Poster! Habe ich das letztes Jahr auch gesehen und vergessen?

 

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  • Ich habe in The Whispering Star eine Androidin gesehen, die in einem Raumschiff lebt, dass eigentlich ein Haus aus den 50er(ishen) Jahren ist. Dort sind Insekten (Schmetterlinge) in den Neonlampen gefangen. Fukushima. Es wird nur geflüstert und der Film ist schwarz-weiss mit einer Eskapade in Farbe und ich finde, dass er ein geniesbarer, hüllen-stylisher Film ist und ich hätte ihn vielleicht doch lieber am Anfang meiner Teenagehood gesehen.
  • Ich glaube, dass alle meine Waffel von gestern gesehen haben und auch eine wollten, weil heute, als ich wieder eine kaufen wollte, gab es keine große mehr, nur viele kleinere.

Cinemañana: 13 travel tips for the summer

1. Travel to Italy. Find this creature and eat it.

Plein Soleil

2. Go to Alphaville and destroy Alpha 60

Alphaville: une étrange aventure de Lemmy Caution von Jean-Luc Godard

3. Find the waterfall in Loong Boonmee raleuk chat. Dress like a princess. Get raped by a fish.

Loong Boonmee raleuk chat von Apichatpong Weerasethakul

4. Or travel to Twentynine Palms.

Twentynine Palms von Bruno Dumont

5. Try to find Jauja.

Jauja von Lisandro Alonso

6. Climb Stromboli pregnant. While it erupts.

Stromboli von Roberto Rossellini

7. Visit Anatolia, drop your apple and let it roll down a hill, into the creek bed.

Bir Zamanlar Anadolu’da von Nuri Bilge Ceylan

8.  Go to Căpâlniţa. Pick up some American soldiers while an Elvis impersonator sings “Love me tender”

California Dreamin' (nesfârșit) von Cristian Nemescu

9.  After seeing Sylvania:

Duck Soup von Leo McCarey

10. Find out how green my valley was.

How green was my valley von John Ford

11. Go sailing on the Caspian Sea. Join the „Lights of the Communism” kolkhoz and fall in love with Masha.

У самого синего моря von Бори́с Ба́рнет

12. Go to the seaside. Burn that tent and exercise.

Les Vacances de M. Hulot  von Jacques Tati

Les Vacances de M. Hulot  von Jacques Tati

13. Return to Italy. Go to Venice and die

Morte a Venezia von Luchino Visconti,

Die Suche nach der Heimat: The Time That Remains von Elia Suleiman

Fuad Suleiman in "The Time That Remains"

Ein israelischer Taxifahrer, ein Dampfplauderer, auf seinem Weg vom Flughafen durchs israelische Niemandsland. Der Fahrgast auf der Rückbank ist zunächst nur schemenhaft zu erkennen. Blitz und Donnergrollen kündigen ein Gewitter an und schon bald ist von der Welt rund um den Wagen nicht mehr zu erkennen, als ein verschwommener Regenschleier. Der Fahrer hadert mit seinem Schicksal, verliert die Funkverbindung zur Taxizentrale und schließlich die Orientierung: „Was ist das für ein Ort? Wie komme ich wieder nach Hause? Wo bin ich?“

Mit einer langsamen Schwarzblende verlassen wir Fahrer, Taxi und Fahrgast und begeben uns ins Nazareth des Jahres 1948, wo gerade der Kampf zwischen Israelischen und Arabischen Truppen tobt. Unser Interesse gilt nun Fuad Suleiman, dem Vater von Elia, dem Fahrgast von zuvor und Alter Ego des Regisseurs. Nach der Kapitulation der arabischen Freiheitskämpfer stellt Fuad nun Waffen für den Widerstand her, während Teile seiner recht wohlhabenden Familie versuchen das Land zu verlassen.

Mutter und Vater im Jahr 1948Wer mit dem Werk des palästinensischen Filmemachers Elia Suleiman bereits vertraut ist, wird sogleich die starken politischen Töne und sorgfältig konstruierten Tableaus erkennen, die sein Werk prägen. Auch in anderer Hinsicht bleibt sich Suleiman in The Time That Remains treu: Seine Alter Egos – altersbedingt in dreifacher Ausführung – bleiben den Film über stumme Beobachter und der Film ist geprägt von einer Reihe absurder Possen, die sich in gewohnter Deadpan-Manier abspielen. The Time That Remains ist im Kern trotzdem ein untypischer Suleiman-Film. Dem historischen Kontext und seinem Quellenmaterial – Briefe und Tagebücher seiner Eltern – geschuldet, finden sich vermehrt längere Dialogszenen und die verschiedenen Episoden des Films sind chronologisch aneinandergereiht. Die Episodenhaftigkeit, sprich narrative Fragmentierung, die in früheren Filmen ein Verfremdungselement darstellte, wird so zur Konvention. Deshalb wirkt der Film ein wenig schal und allzu bemüht seine politische Eindeutigkeit hinter Slapstick-Komik zu verbergen. Anders als in Suleimans früheren Werken ergibt sich die Ambivalenz des Politischen, die sowohl das israelische, als auch das palästinensische Publikum zu spalten gewusst, und dem Regisseur von beiden Seiten Kritik eingebracht hat, nicht aus der Form selbst heraus, sondern wirkt aufgesetzt. Nur in wenigen Szenen gelingt es Suleiman die Radikalität seiner politischen Botschaft in einer Pointe aufgehen zu lassen (und nicht umgekehrt die Pointe aus der politischen Botschaft zu entwickeln) – auffallender Weise handelt es sich dabei immer um kurze Teilstücke, die bloß in die Narration eingeschoben zu sein scheinen. So zum Beispiel am Anfang des Films, als sich ein Trupp israelischer Soldaten mit den Kopftüchern desertierter Araber kostümiert und durch die Stadt patrouilliert. Eine arabische Frau am Straßenrand hält die Soldaten für Landsleute und feuert sie an, worauf sie einer der Soldaten buchstäblich „im Vorbeigehen“ erschießt. Das ist der stärkste Moment des Films, ein großer „Gag“, bei dem einem allerdings das Lachen im Hals stecken bleibt. Später im Film folgt eine Szene, in der ein telefonierender Palästinenser nicht bemerkt, dass er nur wenige Meter vor einem Panzer auf und ab geht. Der Panzer folgt jeder seiner Bewegungen mit seinem Turm – quasi um ihn im Visier zu behalten – Suleimans Alter Ego E.S. (ein palästinensischer Monsieur Hulot) verfolgt das Geschehen hinter der nächsten Straßenecke. In einer anderen Szene gleich im Anschluss wird eine Straßenschlacht zwischen palästinensischen Demonstranten und israelischen Truppen durch eine Frau mit Kinderwagen unterbrochen. Auf die Aufforderung des israelischen Kommandanten heimzugehen erwidert sie: „Geht ihr doch heim!“

In den beiden letzteren Fällen ist das Tondesign essentiell für die Entwicklung der Pointe. Das Surren der Hydraulik des Panzers ist auf der Tonspur isoliert und übertönt den Umgebungslärm, und trotzdem scheint der telefonierende Mann den Panzer nicht zu bemerken. Wie in einem Film von Jacques Tati (auf Parallelen zu Tati werde ich noch genauer eingehen) suggerieren diese Toneffekte ein Eigenleben eines unbelebten Objekts. Im Falle der Straßenschlacht, die E.S. von seiner Wohnung aus beobachtet, wird er erst auf die Situation aufmerksam, als der Kampflärm durch das Auftauchen der Frau abebbt. Nicht die Straßenschlacht ist also das besondere Ereignis, dem man im besetzten Palästina seine Aufmerksam widmet, sondern die Stille, das Ausbleiben von Aufruhr. Die Mutter mittlerweile gealtert an der Seite von E.S.

Warum funktionieren aber nun diese einzelnen Szenen besser als das filmische Gesamtkonstrukt? Um diese Frage zu beantworten hole ich etwas weiter aus: Michel Chion bezeichnete Jacques Tati einmal als „Weltenerschaffer“. Im Gegensatz zu Chaplins Tramp, dem seine Missgeschicke in einer Welt widerfahren, die der unseren gleicht, spielen sich die Geschehnisse rund um Tatis Monsieur Hulot und seine anderen Figuren in einer absurden, beinahe abstrakten Welt ab, in der die Relation von normalen zu abstrusen Vorkommnissen verschoben ist. Bezeichnend also, dass Tatis gigantisches Set für sein magnum opus Playtime „Tativille“ getauft wurde („Tativerse“ wäre vielleicht sogar treffender gewesen). In Playtime wird die konstruierte Natur des Tati’schen Universum am deutlichsten, aber auch in seinen früheren Filmen finden sich Autoreifen, Farbkübel, Einbauküchen oder Schwingtüren, die sich anders verhalten, als wir es gewohnt sind. Deshalb fehlen in Tatis Filmen auch die großen Lacher. Gags werden anti-klimaktisch inszeniert, denn die wahre Pointe liegt in der Komik der Welt und des Verhaltens seiner Bewohner.

In den frühen Filmen von Suleiman verhält sich Palästina ähnlich wie das „Tativerse“. Wie das Frankreich Tatis ist das Palästina Suleimans bloß eine Analogie zur Entsprechung dieses Ortes in der Realwelt. Der rote Arafat-Luftballon in Divine Intervention ist hier genauso stimmig wie der Autoreifen in Les Vacances de M. Hulot. Anders verhält es sich in The Time That Remains: Gerade weil Suleiman den Bezug auf die realen historischen Ereignisse herstellt und seinen Film im „echten“ Palästina spielen lässt, nimmt er seinem eigenen Film den Wind aus den Segeln. Die Absurdität seiner konstruierten Welt, in Kombination mit ausgedehnten Tableaus und dem Deadpan-Gehabe seines Hauptcharakters werden durch den verstärkten Einsatz von Dialogen und Schnitten entkräftet. Suleimans künstliches Palästina wird durch ein „reales“ Palästina ersetzt, und seine Filme dadurch insoweit „gewöhnlich“, als sie nur mehr bedingt als Allegorie taugen. Nur in den paar Szenen, von denen ich einige weiter oben angeführt habe, bricht die absurde Seite des „absurden“ Palästinas wieder hervor – deshalb sind diese Szenen die effektivsten des Films. Suleimans Alter Ego E.S.

Dass Suleiman dennoch auf diese konventionelle Form (im weitesten Sinne) zurückgreift liegt an der spezifischen Fragestellung, die er seinem Film zugrunde legt: „Was ist das für ein Ort? Wie komme ich wieder nach Hause? Wo bin ich?“ Diese Fragen stehen programmatisch für Suleimans politische Agenda. In The Time That Remains versucht Suleimans erstmals vorsichtig so etwas wie eine Antwort auf diese Fragen zu geben, mit denen er sich schon sein gesamtes Künstlerleben über beschäftigt. Wie eingangs angedeutet, leitet er seinen Heimatbegriff historisch her. Genauer, präsentiert er seinen Vater als Vorgänger im Kampf für ein freies Palästina und zeigt, in welcher Weise er mit diesem Freiheitskampf familiär verbunden ist. Aus diesem Grund braucht es eine gewisse Kontinuität und Chronologie, auch wenn sie seinem filmischen Stil gänzlich widerspricht. Kritik ist also entweder an der Wahl des Stoffes oder am Festhalten an den Resten seines persönlichen Stils angebracht. In beiden Fällen müsste man akzeptieren, dass dem Film eine Fehlkalkulation zugrunde liegt.