Notiz zu Ich liebe dich, ich töte dich von Uwe Brandner

Dystopische Unbehaglichkeit in der bayerischen Idylle. In seinem Anti-Heimatfilm aus dem Jahr 1971 liefert Uwe Brandner gewissermaßen einen Vorläufer zu Roy Andersson oder den deformierten Pastoralen eines Bruno Dumont; dabei setzt er zugleich ein irres Stück Film in die Reihe deutscher Hypnosefilme, die ausgehend von Fassbinder und dem frühen Herzog ein ganzes Genre merkwürdig distanzierter Melodramatik hervorbrachte. Die Frage dabei ist immer (und das macht den Film zugleich interessant und uninteressant): welchen gesellschaftlichen Zustand beschreibt die Hypnose?

Brandner zeigt in seinem Debütfilm ein Dorf, in dem alle Tabletten nehmen; was genau deren Wirkung ist, bleibt unklar, jedoch weht ein gleichschaltender, harmonischer Hauch über die Gesichter der Abhängigen. Man singt, lächelt und hat Sex in den Wiesen. Das Dorf besteht aus Typen, die man kennt: Polizisten, Jäger, Lehrer; die Frauen ziehen sich aus, viel mehr fällt Brandner da nicht ein. Er zeigt eine Welt der Verdrängung. Im Wald gibt es Wölfe, hinter den abwesenden Gesichtern muss es irgendwo unterdrückte Gefühle geben. Brandner ist weniger daran interessiert, diese Gefühle offen zu legen, als zu zeigen, was passiert, wenn man sie nicht lebt.

Gedreht wurde der Film in Wasserzell in Oberbayern. Brandner filmt wiederholt die rote Sonnenkugel über dem Dorf. Dadurch zeigt er zugleich, wo der Ort liegt, als ihn auch jeglicher Verortung zu entziehen; die Sonne geht schließlich überall unter. Im 15. 16. und 17. Jahrhundert gab es dort (im Bistum Eichstätt) brutale Hexenverfolgungen und Hinrichtungen. Der Weg, den die Verurteilten zum Galgenberg gehen mussten, ist bis heute bekannt.