Liebesbrief an Jeanne Moreau

La notte Antonioni

Liebe Jeanne Moreau,

ich habe dich gesehen, aber ich bin mir nicht sicher, ob du auch mich gesehen hast. Es muss in einer regnerischen Nacht gewesen sein, irgendwo, wo wir nicht zuhause sind. Ich muss dir einfach schreiben. Vielleicht sitzen wir eines Tages auf einem Golfplatz und du liest mir diesen Brief vor. Ich verspreche dir, dass ich mich daran erinnern werde, dass ich ihn dir geschrieben habe.

Eva Losey
Ich bin mir nicht sicher, ob du jemals kleiner bist, als die Leinwand, die dich zu mir bringt. In vielen Filmen bist du allein mit dem Licht und dem Schatten, selbst wenn du von Männern umgarnt wirst. Du wartest an Ufern, du scheinst nie auf etwas zu warten, sondern immer im Warten selbst zu existieren. Oft sind es reiche Männer, schöne Männer, die um dich tanzen. Du bist zwischen den Armen von Jean Gabin und Lino Ventura gehangen. Vielleicht muss das so sein in Frankreich. Aber ihrer maskulinen Art bist du mit einem Trotz der verführerischen Verachtung begegnet. Mit deinem herunterhängenden Mundwinkeln (ich fand es immer passend, dass du einen Film über Lilian Gish gemacht hast, die in der berühmtesten Mundwinkel-Szene der Filmgeschichte gespielt hat, ja du bist eine zerbrochene Blüte, aber auch ein blühendes Zerbrechen), der hohen Stirn und dem Gang, dem man Stunden zusehen kann. Für mich hast du deinen Kopf immer leicht im Nacken, deine Nase etwas in der Luft. In der Sonne, im Regen, in der Stadt. Du bist der Widerstand im Regen. Der Widerstand gegen die eigene Schwäche, gegen die Blicke, die dich verfolgen. Manchmal schäme ich mich fast, dich anzusehen. Du blickst zurück, ohne mich anzusehen. Du bleibst unerreichbar.

Du trägst eine natürliche Schwere in dir, die mal gelangweilt wirkt, mal arrogant, mal zerbrechlich, mal leidenschaftlich, mal aufrichtig und mal geliebt. Aber du hast auch eine leichte, verspielte Seite, ich habe sie gesehen zwischen zwei Männern, mit Musik, mit Mützen. Hast du mir da zugeblinzelt?

Eleveator Gallows
Du hast zu oft traurig gesagt: Je t’aime. Kann ich dir noch glauben? Ich bin mir da nicht sicher und jetzt muss ich dir ein Geständnis machen. Ich habe dein Tagebuch gelesen. Ich weiß, dass der Mann, der den Schuhfetisch hat dich mag. Der dicke Anwalt, der sich kaum aus seinem Bett erheben kann, mag dich auch. Du verwirrst mich. Ich versuche nicht eifersüchtig zu sein, aber ich würde dir gerne meinen Garten zeigen. Außerdem würde ich dir gerne meine neue Waschmaschine präsentieren, wenn du mal wieder gelangweilt in deiner Wohnung sitzt. In deiner Langeweile liegt etwas, was einen Blick in dich ermöglicht. Du öffnest dich für Zeit-Bilder, dein Spiel existiert immer mit der Zeit, die man nicht mehr sehen kann. Vielleicht hattest du deshalb Probleme älter zu werden. Du singst dann: Each man kills the thing he loves. Ich mag das, es passt zu dir.

Ich muss dir noch etwas gestehen, vielleicht ist es blöd: Ich mag dich lieber in schwarz und weiß als in Farbe. Es scheint für dich gemacht, es betont den Schatten unter deinen Augen, die minimalen Regungen in deinem Gesicht, die mir sagen, dass du dort ,wo du bist, nicht du sein kannst. Die Farblosigkeit unterstreicht deine Traurigkeit, die so viel Würde in sich trägt. Nur du kannst bei deiner Hochzeit schwarz tragen. Ein Trauerzug, wie alles an dir und mir dir, sich abwendend, hinfort fahrend in das Unbewusste einer Sehnsucht.

In der reflektiert ein Licht, das kein Licht kennt.

Nathalie Granger

Liebesbrief an Yekaterina Goulobeva

Polax6

Liebe Yekaterina Golubeva,

ich habe dich gesehen, aber ich bin mir nicht sicher, ob du auch mich gesehen hast. Ich bin mir sogar sicher, dass du mich nicht gesehen hast, weil zwischen dir und allen anderen immerzu eine ganze Welt zu liegen scheint, ein großes Geheimnis, denn du bist ein durch den Schnee reitender Engel, der tötet, mit dem eiskalten Atem einer verzweifelten Gleichgültigkeit, töte mich. Du stehst abseits aller Sicherheit und rauchst, im Schatten, im Sonnenlicht. Ich habe das Gefühl, dass die Sonne mit dir erfriert und die Nacht mit dir eine unendliche Wärme ist.

L'intrus von Claire Denis

L’intrus von Claire Denis

Trys dienos von Sharunas Bartas

Trys dienos von Sharunas Bartas

Ich habe deine Schreie gehört. Ich war mir nie sicher, ob es Schreie der Lust oder Schreie der Schmerzen sind. Ich habe dich abwesend, abweisend und doch verlockend gesehen. Du hast eine Feindseligkeit, die anzieht, immerzu anzieht. Dabei legst du deinen Kopf gerne in deinen Nacken. Manchmal erwischt dich dann das Licht, manchmal der stotternde Guss deiner vielen Tränen, die ich immerzu trocknen möchte oder noch besser, aufheben möchte und in ein riesiges Glas neben meine Träume stellen will. Deine Schreie sind echt wie deine Tränen, dein Lächeln ist echt wie dein Verlangen und so sehr wir mit Filmen die Vergangenheit umarmen, so sehr schmerzt, dass ich diese Zeilen eigentlich in der Vergangenheit schreiben müsste. Ich tue es nicht und halte deine magische Präsenz am Leben, die in deinen Gesten oft nur ein Windhauch ist, deine Augen sind das Geheimnis einer ewigen Sterblichkeit. Egal wohin du blickst, es wirkt immer so als würdest du mich ansehen.

Twentynine Palms2

Twentynine Palms von Bruno Dumont

The Corridor

Koridorius von Sharunas Bartas

Du bist über mir geschwebt mit einem Helikopter, du bist immerzu nur auf der Reise, du gehst und kommst und niemand weiß weshalb. So bist du in zerfallene Räume geflogen, vielleicht sind sie erst mit dir zerfallen, weil alles gezittert hat. Ich will mit dir in meinem Blut baden. In unserem Strom aus Blut, wir schreien, wir weinen, wir lächeln und wir werden nicht mehr schlafen. Mit dir beginnt und endet jedes Herz. Lass uns auf Steinen in der Sonne liegen und verbrennen, lass uns zusammen verschwinden, auch wenn wir keinen Ort finden, um miteinander zu schlafen, so können wir ihn doch suchen.

J'ai pas sommeil2

J’ai pas sommeil von Claire Denis

Polax8

Pola X von Leos Carax

 

Du hast keine Angst vor Intimität, weil du keine Angst hast, deine Angst zu teilen. Wir können im Halbdunkel tanzen bis es dunkel wird, dein Körper wird die Nacht erleuchten, deine Seele ist deine immer außerordentlich beleuchtete Haut.

Few of us3

Few of us von Sharunas Bartas

Love Letter to Damnation (Béla Tarr)

Damnation

Why can’t you love me? You don’t know what I can do. I’ll break your neck. Mouth to mouth, heart to heart, star to star. I couldn’t believe that frail body had so much blood in it. You’ve killed the love and decency in yourself. But there’ll be no shame anymore and the veil comes off. Don’t count on temporary ruin. Because this ruin is always final, as ruin generally is. The land is full of bloodshed and the city is full of violence. There’s nothing for you here.

Damnation3

Take a look around. Make it more tempting for me. One must return to beauty. Rediscover life again. The joy of great things. The taste of victory and success. They want me to watch the pitiful effort everyone makes in trying to speak before they drop into the grave. But there’s no time, for they are already falling.

It’s all over. Over. And there won’t be another. It won’t be good. Ever again. Never more. Maybe never more. It’s like a nightmare. All of it. Maybe. Where is somebody new? Where will he come from? If he comes. Or won’t he come. Ever again? Maybe never more. Take it or leave it. This is what you’re stuck with. What can you do? You lose your words. Yet you cannot go.

Damnation2

Go home now and go to bed. The fog gets into the corners, into the lungs. It settles in your soul because stories end badly. Stories are all stories of disintegration. The heroes always disintegrate. I’m not attached to anything anymore. I am going to leave. Kick me, spit at me and I’ll return again and again. And I really do love you. Maybe.

I like to watch the water run down the window. It always calms me down. I don’t think about anything, I just watch the rain. I know that I’m alone. I realized that, between you and a world forever out of reach, there is a strange and empty tunnel. I don’t know anyone else who knows that road. You’re standing alone at the entrance to the tunnel because you know something I can’t even put a name on, something deeper and more ruthless than I can ever understand. I realize that I can never get closer to that world. I can only long for it, because it is hidden by a light and warmth that I cannot bear.

Damnation4

Then she crawled into the corner and would not move. I was looking at her nightie. All I saw was the nightie, that lacy nylon nightie. Then I jumped on her. I pulled it and tore it, I ripped it. The madness of hopelessness. I’m just sitting here, so it was this awful inner tension that brought me here Mourning for you, darling…There is nothing like finding one another, when there is music that warms the heart. Two hands clasped together, one foot senses where the other will step. And follows, no matter where the other steps. Because it believes they’ll be flying from now on. From every swing and turn. Who knows? Perhaps… it is flying.

(Collage aus den Untertiteln zu Kárhozat von Béla Tarr)

Damnation5

Liebesbrief an Julianne Moore

Boogie Nights10

Liebe Julianne,

ich habe dich gesehen, aber ich bin mir nicht ganz sicher, ob du mich auch gesehen hast. Du standest ziemlich aufgelöst in einer Apotheke und hast auf deine Tabletten gewartet. Es schien dir nicht gut zu gehen, ich habe mir Sorgen gemacht. Dann wollte dir der Typ die Tabletten nicht geben. Er hat dir dumme Fragen gestellt. Ich habe andere Fragen an dich: Wie kann man so schön weinen? Wie kann man so schön lachen? Sie haben mal über dich gesagt, dass dein Lachen immer auch ein Weinen und dein Weinen immer auch ein Lachen ist. Das stimmt. Vielleicht nimmst du deshalb so viele Tabletten? Ich meine, ich habe gehört wie du deiner Haushälterin gesagt hast, welche Tabletten sie kaufen soll, du hast gar nicht mehr aufgehört irgendwelche Pillen zu nennen. Aber du singst sogar, wenn du nicht bei Bewusstsein bist, weil dein Herz stärker pocht als deine Betäubungssucht.Crying Lightning Daze

Julianne Moore in Magnolia Julianne Moore in Magnolia  Julianne Moore in Magnolia

Vielleicht brauchst du deshalb auch die ganzen Tabletten, weil sonst die ganze Welt von deinen Emotionen überrannt werden würde. Wenn du keine Tabletten nimmst, dann ziehst du dir nackt, mit deiner sinnlichen Hingabe, deiner vollendeten Weiblichkeit Kokain durch dein zitterndes Nasenloch und du siehst gut dabei aus. Ich will vor meinem letzten Tag durch die Nacht mit dir tanzen und mich mit dir betrinken. Die Blumen an deiner Veranda wechseln ihre Farbe, wenn ich sie betrachte, das Laub weht im Herbst um deine innere Einsamkeit, ach deine roten Handschuhe.  Ich will dein Gärtner sein. Du magst Gärtner, Chauffeure oder Kellner. Aber noch lieber magst du Frauen. Ich habe dich mit ihnen lachen und weinen sehen, mit ihnen schlafen, ich habe deine Sehnsucht aufblitzen sehen in kurzen Momenten des Glücks oder der Hoffnung mit ihnen. Ich kann keine Frau für dich sein, aber ich würde.

A Single Man von Tom Ford

A Single Man

Julianne Moore in A Single Man

de

Julianne Moore in A Single Man

Tom Ford

Niemand kann ein Sektglas so halten wie du, so elegant und doch immer kurz vor dem Fallen. Du scheinst mehr zu wissen als die Welt. Es scheint als könne man dich immer aufsuchen, wenn man nicht mehr weiter weiß, du nimmst einem dann in deine weichen Arme und beruhigst, obwohl du doch selbst leidest und schaffst es, dass man sich völlig in dir verlieren kann.

Wenn ich mit dir schlafe, will ich, dass wir es vor der Kamera tun. Ich hoffe, dass ich in dir kommen kann, weil ich der einzige Mann bin, mit dem du einen Tischtennisball von Mund zu Mund schießen kannst und wieder zurück. Vielleicht kannst du auch so Lachen wie du lachst, wenn du einer Konkurrentin ins Gesicht lachst oder vor deinen Freundinnen verbergen willst, was wirklich in dir vorgeht, weil du voller Reue bist. Niemand scheint dich deine Gefühle ausleben zu lassen, niemand will sich darauf einlassen. Ich will. Ich habe nie so eine schmerzende Schönheit in der Vergangenheit einer Person gesehen wie bei dir. Du bist eine Geschichte. Boogie Nights with you…

 Dirk Diggler Boogie Nights von Paul Thomas Anderson Boogie Nights von Paul Thomas Anderson

Ich habe gesehen wie du Menschen Liebe beigebracht hast, wie du ihnen den großen Trost der Zärtlichkeit offenbart hast. Dann bist du immer die einzige Sehende unter lauter Blinden und ich will, dass ich mit dir Sehen kann oder du mit mir erblindest. Dann können wir ans Ende der Welt gehen, dort wo es vielleicht noch Dinosaurier gibt und wir können uns über Bob Dylan unterhalten bis ich für eine Nahaufnahme noch einmal kommen muss.

Ich verstehe gar nicht, warum du dich so oft als Frau verkleidest, die es schon gegeben hat. Vielleicht brauchst du das als Schutz vor deiner eigenen Güte? Aber du scheinst eigentlich keine Angst zu haben. Du gestehst dir alles ein und man hat immer das Gefühl ein Stück von deiner Seele zu sehen, im Lachen, im Weinen, im Reden, in deiner Bewegung. Du bist unverstellt, selbst wenn du dich verstellt und ich glaube, deshalb schreibe ich dir. Wenn du weinst, dann weinst du immer über und mit mir, du teilst deine Tränen. Deine Hysterie ist meine.

Julianne Moore in Children of Men

Children of Men de Alfonso Cuarón

Blindness mit Julianne Moore

Blindness de Fernando Meirelles

Leider bin ich nicht da. Aber ich sehe dich weiter, wenn ich lächle und weine und wenn ich dich wieder sehe, hoffe ich, dass du mir kurz zulächelst. Selbst wenn du nicht siehst. Ich würde weinen.

Tsai Ming-liang Retro: Liebesbrief an Lee Kang-sheng (und Chen Shiang-chyi)

Visage

Lieber Lee Kang-sheng (und Chen Shiang-chyi),

ich habe dich gesehen, aber ich bin mir nicht ganz sicher, ob du mich auch gesehen hast. Um ehrlich zu sein, habe ich dich schon als Jugendlichen gesehen. Du warst ein wenig wie ich und hast andere Menschen beobachtet, ohne dass sie dich beobachtet hätten. Du warst ein rebellischer Scooterboy und ich wollte mit dir und deiner Sonnenbrille durch Taipeh fahren. Wenn du etwas anschaust, dann scheinst du direkt hindurch zu blicken, immer an dich selbst denkend, an dir selbst leidend. Du hast ein derart klares Gesicht, das scheinbar kein Alter kennt, sondern immer nur ein Spiegel für mich ist. Ich habe gesehen wie du dich unter der Matratze versteckt hast, ich habe gesehen wie du auf einer Matratze gepflegt wurdest. Deine Einsamkeit und deine Unfähigkeit dich Mitzuteilen greifen mein Herz an. Du bist oft an fremden Orten, du lebst dort sogar. Ich weiß nicht, wo ich dich finden könnte, sag mir wo ich dich finden könnte. Du bewegst dich manchmal sehr langsam, vielleicht bist du ein wiedergeborener Prinz? Ich frage mich, wie du die Treppen in Marseille wieder nach oben gekommen bist. Bist du religiös? Zwar waren vor mir die Kinobilder, aber was ich wirklich sehen wollte, warst du als Filmvorführer. Ich hatte an diesem Tag im Kino das Gefühl, dass du ein wenig wie Tony Leung aussiehst, aber ich mag Tony Leung. Ich bin zu dir in den Projektionsraum geklettert und habe dir etwas zu Essen gebracht. Ich bin mir nicht sicher, ob du es gesehen hast. Du warst nicht dort. Wahrscheinlich hast du geraucht. Du rauchst schöner als andere Menschen. Man hat mir gesagt, dass du sogar im Kino lebst, vielleicht sogar ein Geist bist. Es macht mir Angst daran zu denken, dass du nicht echt sein könntest.

Vive l'amour

Wir haben auch eine gemeinsame Faszination: Truffaut. Zwar weiß ich nicht, ob du dir „Les 400 Coups“ nur wegen Paris angesehen hast, aber wenn man dich ansieht, fühlt man sich als würde man sich ganz schnell im Kreis drehen. Der Boden unter den Füßen verschwindet. Und plötzlich warst du dann selbst in Paris und du hast einen Film gedreht. Erst habe ich mir Sorgen gemacht, weil du bei deinem letzten Filmdreh furchtbare Nackenschmerzen bekommen hast, aber dann habe ich dich zusammen mit all diesen schönen Menschen gesehen und wusste, dass es dir gut geht. Du hast „Antonioni“ gesagt. Was hast du mit dem Hirsch gemacht? Du musst dich nicht bewegen, um alles in mir auszulösen, um mich zu bewegen. Wenn du ganz starr blickst, spielen sich hunderte Emotionen allein durch deine Haltung ab. Ich habe selten einen Menschen öfter beim Essen und auf der Toilette gesehen als dich. Ich will die Zeit zurückdrehen und alles nochmal mit dir erleben. Von den Spielhallen, zu deinem Fuß, der von meiner Decke hängt bis zu deiner Pornokarriere, die in die Obdachlosigkeit führt. Wenn du einschläfst, sehe ich weiß. Ich kenne deine dunklen Geheimnisse und die deiner Familie. Ich vermag nicht über deine Familie zu schreiben. Das ist deine Sache. Deine Eltern haben mich mitgenommen als wäre es meine eigene Familie. Du hast ein Taiwan Fever in mir ausgelöst, ich will eine Gasmaske tragen und dich damit küssen, bis ich weiß, ob du ein Geist bist. Du kannst auch für mich singen, wenn du magst. Ich habe dich oft dabei gesehen.

The Wayward Cloud

Aber es gibt auch diese Frau. Ich bin mir nicht sicher, ob du sie gesehen hast. Ihr Name ist Chen Shiang-chyi. Sie ist eigentlich genauso verloren wie du. Du kennst sie, du bist in ihrem Mund gekommen. Du hast die Zeit für sie verändert, aber nicht dich selbst. Sie hat eine Uhr bei dir gekauft, also bin ich ihr gefolgt und habe mich auch in sie verliebt. Als sie aus Paris zurückkam, wollte ich sie an der Hand durch die Stadt führen. Sie wirkt immer verloren und überstrahlt doch alles, ein verirrter Engel vielleicht, auch ein Geist? Sie hat dir auch etwas zu Essen gebracht an diesem Tag im Kino. Du hast auch mal mit ihr gekocht. Einmal musste ich ihren widerlichen Melonensaft trinken, ich habe ihn heimlich weggeschüttet. Erst später habe ich verstanden, was es für sie bedeutet, wenn sie mir einen Melonensaft gibt. Sie bewegt sich immer fliegend, selbst wenn sie schläft. Ihr Blick ist neugierig, verlangend und offen. Ein tiefer Schmerz lauert dahinter. Ich habe euch gesehen wie ihr ein Bild betrachtet habt. Ich würde euch so in mein Zimmer stellen, damit ich euch immer ansehen kann wie ihr etwas anseht. Ich schreibe euch daher diesen Brief zusammen, weil ich am liebsten auf einer im Wasser treibenden Matratze mit euch beiden schlafen würde. Wenn das nicht geht, weil ihr Geister seid, versprecht mir wenigstens, dass ihr euch das nächste Mal erkennt, wenn ihr euch begegnet und berührt, wenn ihr euch berühren wollt.

The Wayward Cloud What time is it there

Ich muss jetzt aufhören, weil es von der Decke tropft.

 I don't want to sleep alone

Liebesbrief an Ventura

Colossal-Youth81


A sort of love letter. Learn it by heart.

Your mother left me. She stabbed me with a knife. The blood’s already dry. The woman wrecked the house. The bed, the wardrobe…She destroyed everything. She had Clotilde’s face, but it wasn’t her. I don’t know if it was Clotilde or another woman I slept with. Vanda! Vanda! Vanda! Look at the crocodile and those huge jaws.

Ventura,
Being together again will brighten our lives for at least 30 years. I’ll come back to you strong and loving. I wish I could offer you 100000 cigarettes, a dozen fancy dresses, a car, that little lava house you always dreamed of, a threepenny bouquet. But most of all, drink a bottle of good wine and think of me. Here, it’s nothing but work. There are over a hundred of us now.
In Erinnerung,
Patrick
I want bedrooms for my children. And I was in such pain! Christ! Waves of pain every ten minutes. So I said, “Ow! It hurts so much!” The pains were coming twice as fast. “I can’t stand it here. It hurts too much.” “Help me, darling. It hurts!”
My love,
Being together again will brighten our lives for at least 30 years. I’ll come back to you strong and loving. I wish I could offer you 100000 cigarettes, a dozen fancy dresses. but most of all drink a bottle of good wine and think of me. Here, it’s nothing but work. There are over a hundred of us now. Still nothing from you…I’m waiting. Every day, every minute, I learn beautiful new words for you and me alone. Still nothing from you. Some other time.
August 19, 1972.
Here, you need an iron hand in a velvet glove. No one shouts or runs or spits on the ground. It’s nice and easy.
Being together again will brighten our lives for at least 30 years. I’ll come back to you strong and loving. I wish I could offer you 100000 cigarettes, a dozen fancy dresses, a car, that little lava house you always dreamed of, a threepenny bouquet. But most of all, drink a bottle of good wine and think of me. Here, it’s nothing but work. There are over a hundred of us now. Two days ago, for my birthday, I thought about you for a long while. Did my letter arrive safely? Still nothing from you. I’m waiting. Every day, every minute, I learn new beautiful words, just for you and me, made to fit us both, just like fine silk pajamas. Wouldn’t you like that? I can only send you a letter a month. Still nothing from you. Some other time.
It’s like that when you can’t breathe. It scares me, I don’t know why. I shake all over. She feels what I feel. Look at her face!  I often get scared building these walls. Me with a pick and cement, you with your silence, a pit so deep, it swallows you up. It hurts to see these horrors that I don’t want to see.
Your lovely hair slips through my fingers like dry grass. Often, I feel weak and think
I’m going to forget you.
Texte übersetzt und collagiert aus “Juventude em Marcha” von Pedro Costa