Top10-1.Quartal

Hier eine kleine Top10, der Filme mit regulärem Kinostart in Deutschland bzw. Österreich 2012 bis heute:

1.Once Upon a Time in Anatolia-Nuri Bilge Ceylan 
Ein Film, der mich tagelang beschäftigt hat, der sich nicht an den Oberflächen des Plots bewegt, sondern metertief darunter schwimmt, um einem plötzlich ins Gesicht zu springen, aber nur wenn man auch hinsieht und hinhört.
2.Shame-Steve McQueen 

Eine Charakterstudie bis zum Extrem, bei der jedes Detail auf einen Hauptcharakter ausgelegt ist, der den Zuseher zu einem Schwimmen zwischen kühler Betrachtung und bedingungsloser Teilnahme zwingt.
3.Hugo Cabret-Martin Scorsese
Eine Ode an die Kraft des Kinos und an die Magie und Verzauberung, die wohl nur von Scorsese derart ehrlich erzählt werden kann und eine geniale Heirat zwischen Effekt und Inhalt zur Folge hat, die zwar für Kinder ausgelegt ist, aber Erwachsene verzaubert.
4.Drive- Nicolas Winding Refn
5.Young Adult-Jason Reitman
6. Barbara-Christian Petzold
7.Take Shelter-Jeff Nichols
8.The Descendants-Alexander Payne
9.Le Gamin au vélo-Jean-Pierre und Luc Dardenne
10.Tinker, Tailor, Soldier, Spy-Tomas Alfredson 
Wo ist „The Artist“? Richtige Frage. Unmittelbar nach dem Anschauen hätte ich ihn vielleicht noch aufgenommen in diese Liste, aber bei längerer Reflektion bleibt nicht viel hinter dem intelligent verpackten, amüsanten Spiel mit alten Filmtechniken. Der Film wirkt nach einiger Zeit auf mich, wie eine nette Geschichte, die ich mal gehört habe. Es gibt keinen Drang ihn wieder zu sehen und es gibt auch keinen Drang über ihn zu sprechen. Alles ist so nett und so perfekt in diesem Film, dass mir einfach die Reibungspunkte fehlen.
Ich höre sehr oft, dass „im Kino ja nichts gutes läuft“. Diese Aussage ist für sich genommen natürlich wertfrei. Woher will man das denn wissen, wenn man nicht geht? Filme leben von Antizipation. Deshalb hängen ja insbesondere große Produktionen so sehr an Werbung. Ein öffentliches Interesse möchte kreiert werden. Wer sich nicht immer alles von den Medien vorkauen lassen, d.h. sich sagen lassen möchte, was man ansehen muss und sich vom Spektakel sogenannter Trailer nicht verführen lassen möchte, der hat auch die Möglichkeit sich vorher selbst zu informieren. Daher nenne ich nun ein paar interessante Kinostarts in Deutschland für den nächsten Monat, von denen man vielleicht medial weniger sprechen wird, in der Hoffnung, dass „da was Gutes dabei ist“, weil interessant ist es allemal:
29.03.: Aurora (Cristian Puiu)
05.04.: Berlin für Helden (Klaus Lemke)
12.04.: Martha Marcy May Marlene (Sean Durkin); 
19.04.: My week with Marylin (Simon Curtis), Anton Corbijn Inside Out (Klaartje Quirjins)
Desweiteren habe ich mir drei Filme angesehen:
Le journal d’une femme de chambre-Luis Buñuel
Ein nicht-surrealistischer Film (zumindest kaum) vom Meister des filmischen Surrealismus. Ehrlichgesagt habe ich eben jenen Surrealismus vermisst, auch wenn das Thema wichtig und die Inszenierung auf dem höchsten Niveau ist. Überleben Filme wie Belle de Jour oder Cet obscur objet du désir meiner Meinung nach sehr leicht den Test der Zeit (und zwar aufgrund ihrer Machart, nicht ihres Inhalts), wirkt dieses Werk heute sehr angestaubt. Einzig das vor Ausdruck schreiende Gesicht von Jeanne Moreau und der fantastische Michel Piccoli sind beachtenswert.

Dear Wendy-Thomas Vinterberg



Das Drehbuch stammt von Lars von Trier, dementsprechend wenig zimperlich wird hier mit den Charakteren umgegangen. Das ganze wirkt stets parabelhaft; ich war zugleich erstaunt und ergriffen, als auch amüsiert und genervt. Ein Film mit vielen Interpretationsebenen, der vielleicht etwas zu sehr nach Provokation schreit, aber stehts Menschlichkeit präsentiert.
39 Steps-Alfred Hitchcock



Perfekt. Wer das Kino von Hitchcock kennenlernen will, sollte womöglich hier anfangen. Alles, was ihn Jahre später in den USA berühmt machen sollte, ist schon da und es erscheint mir völlig plausibel diesen Mann, als einen Autor des Kinos zu bezeichnen.
Im April geht es dann endlich mit Bull Murray und Lost in Translation weiter.

Der Twilight-Selbstversuch

Nach längerem Kampf habe ich mich zu diesem Experiment hinreißen lassen: Ich werde mir einen Twilight-Film (aus vernünftigen Gründen den 1.Teil) ansehen; von einem Blog, der sich mit Jugend und oder ohne Film beschäftigt, muss man erwarten können, dass der Autor die wichtigsten Phänomene der Jugendkultur am eigenen Leib erfahren hat. Alle zehn Minuten werde ich meine Gedanken posten…und ich werde VERSUCHEN nicht mit Vorurteilen in das Filmerlebnis zu gehen…los geht’s
0-10min:
Das sieht ja aus wie Antichrist von Lars von Trier da im Wald; alles ist blau und grün und ein Reh wird gerissen von einem schwarzen Schatten. Die Handkamera zerstört leider jegliche Ästhetik an dieser Stelle. Eine Voice-Over Narration, die ich nah an der literarischen Vorlage vermute und die unendlich stört, begleitet das Geschehen um dieses Arizona-Girl Bella, das sich in einer neuen Schule und Umgebung eingewöhnen muss. Die Fremdheit des Ortes wird ganz gut eingefangen, es gibt auch einige etwas peinliche Situationen, die dem Ganzen eine charmante Note beifügen. Dann war da auch schon dieser Taylor Lautner mit toller Frisur, ja…und am Ende der zehn Minuten eine vor Kitsch triefende Einführung des männlichen Hauptcharakters, der im strahlenden Weiß und in Slow-Motion durch den Eingang zur Mensa einschreitet und er lächelt. Bislang ist alles flüssig und es wird dafür gesorgt, dass man wissen will, wie es weitergeht.
Antichrist; Lars von Trier
10-20min:
Subtil wird nicht das passende Adjektiv sein, um diesen Film zu beschreiben; ich habe gesehen wie Bella in ein Klassenzimmer geht. Dort steht ein riesiger Ventilator und der bläst ihr den Wind um die langen braunen Haare und dann gibt es eine Zeitlupe und eine vergewaltigende Musik und dann sitzt da dieser Edward (hoffe er heißt so); blass und merkwürdig (ihm ist schlecht?) und die beiden blicken sich an, aber Edward geht es dabei nicht gut. Er hat mich ein bisschen an einen Autisten erinnert, vielleicht auch Sean Penn in I am Sam. Jedenfalls gibt es einige Ereignisse und jetzt kommen sich die beiden näher. Allerdings muss man dem Film lassen, dass er sich sehr auf cineastische Mittel verlässt bis dato; wenig wird gesprochen, viel wird gezeigt. Viele Nahaufnahmen setzt Catherine Hardwicke ein, die ja mit Thirteen und Lords of Dogtown bereits zwei sehr jugendaffine Filme realisiert hatte. Die nahen Gesichter des Over-Actings, blasse Gesichter, Außenseiter und schöne Menschen. Der Film setzt auf ein Gefühl der Jugend; das Gefühl alleine zu sein und anders zu sein. Was mir noch aufgefallen ist: In der Serie True Blood ist die Umgebung dreckig und feucht, überall lauern Tiere und es ist schwül und unangenehm und daraus zieht diese Serie einen großen Teil ihres Reizes. Dagegen wird in Twilight nur davon gesprochen wie feucht es ist; wenn man darauf achtet ist alles sauber und schön. Übrigens finde ich Bella’s Vater merkwürdig.
True Blood
Thirteen, Catherine Hardwicke
20-30min:
Interessante Spiele mit der Wahrnehmung: Distanz und Nähe werden hier leicht überbrückt; dies entspricht wohl der Wahrnehmung der Vampire. Es gibt ständig Blicke, der Film dreht sich ausschließlich um Bella und Edward, alles andere ist nur Beiwerk. Konsequent die Schärfenverlagerung. Und dann wieder zwei Blicke in Nahaufnahme und man hat das Gefühl, dass sich hier zwei Menschen (bzw. Wesen) sehen können, nur um in der nächsten Einstellung zu zeigen, dass sie sehr weit voneinander entfernt stehen. Die Welt ist immer noch sehr blau und ich frage mich, warum sich die Vampire keine Mühe mit ihrer Hautfarbe geben. Das sieht man doch, Leute. Das Kostüm ist intelligent gewählt. Wirkt stylish, aber bezahlbar.
30-40min:
Google, Superman, Spiderman…der Film installiert sich innerhalb einer popkulturellen Gesellschaft; bricht sogar ironisch mit sich selbst…“What if I am not the hero?“; der Schuss-Gegenschuss Dialog ist noch lange nicht tot. Wirkt stylish, aber bezahlbar. Was mich ein wenig irritiert: Warum ist Bella so beliebt bei ihren Mitschülern? Sie gibt sich ja nicht gerade sympathisch. Ich kenne das Buch nicht, aber rein aus filmischer Sicht wäre hier ein ganz anderes Potenzial gelegen, welches den Film weit mehr in den heutigen, gesellschaftlichen Problemen hätte unterbringen können. Wo ist denn die Voice-Over Narration hin? Typisches Hollywood-Stilmittel; am Anfang hören die Charaktere gar nicht damit auf uns alles zu erzählen über sich und ihre Gefühle und wenn sie dann mal vorgestellt sind, dann wird der Voice-Over-Ton einfach weggelassen. Bei vielen Filmemachern und Kritikern gilt die Verwendung des Stilmittels zur Beschreibung der Gedanken der Charaktere sowieso als „billig“ und „unästhetisch“. Gegenbeispiele wie Memento von Christopher Nolan, Goodfellas von Martin Scorsese oder sämtliche Filme von Terrence Malick beweisen, dass es aber durchaus möglich ist Voice-Over kreativ und wertgenerierend zu verwenden.
The Thin Red Line; Terrence Malick
40-50min:
In der bis zu diesem Zeitpunkt stilistisch aufregendsten Passage wird aufgelöst, dass es sich bei Edward tatsächlich um einen Vampir handelt; die Kamera löst sich immer wieder vom Geschehen und schwebt frei durch die Flora und Fauna des blau-grünen Waldes, Nebelschwaden. Wieder muss man an Malick denken, wobei der sich, ob der Unnatürlichkeit der Natur und der zerstörerischen Verwendung unnötiger Schnitte wohl gelangweilt abdrehen würde. Die Dialoge sind flach; vorgetragen werden sie immer am Rande der Emotion, auf ganz dünnem Eis. Alles ist überemotional. Schockierend. Dennoch bleibt der Horror- und Angstfaktor kinderfreundlich. Es geht um Schatten, und laute Flashbacks, die so verfremdet sind, dass man sich fragt, ob irgendwer hier die Gesamtwirkung des Filmes in Auge hatte oder es nur Szene für Szene ging. Außerdem wird mit wichtigen Themen für junge Mädchen jongliert: Nachts durch einen Tunnel gehen, wenn einem dunkle Gestalten entgegenkommen; das Anprobieren von Kleidern oder den Mut auch mal selbst den Jungen ihrer Wahl nach einem Date zu fragen. Gott, sind wir aber emanzipiert. Was mich überrascht sind die geringen Schauwerte für einen Blockbuster. Da es so viel Nebel gibt und so viele Naheinstellungen gibt es kaum Totalen, die sich in Herr der Ringe oder Harry Potter ja nur so tummeln.
Lord of the Rings; Peter Jackson
50-60min:
„I am designed to kill“, sagt er, dieser Pattinson und dann springt er mitsamt unheimlich elektronisch-klingender „Wusch“ Soundeffekte von Baum zu Baum und wird sehr wütend. Aber Bella mag ihn sehr und so. Und wenn er in der Sonne glitzert, dann ist vielleicht kein typischer Vampir, aber hübsch, hübsch. „Your scent is like a drug to me“. Der schmale Grat zwischen Tod und Versuchung, auf dem sich die Regisseurin hier bewegt, misslingt ihr für meinen Geschmack. Immer wenn das Potenzial für die Versuchung aufkeimt, der unterschwellige Sexappeal des Gefährlichen, der schon immer Teil der Faszination im Vampirfilm-Genre war, kommt ein Kitsch ins Spiel, ob mit lila Blumen, einem schmachtenden Blick oder dem nach wie vor kaum nachvollziehbaren Einsatz von vergewaltigender Musik. Und dann liegen sie im Gras wie Anakin und Amidala, ja. Dann gibt es eine interessante Szene; aus all dieser Melancholie kommt plötzlich eine Teenage-Highschool Coemdy-Szene. Edward und Bella kommen mit dem Auto in die Schule und alle starren sie an und Edward hat eine coole Sonnebrille auf und haut einen coolen Spruch raus. Mehr davon, bitte! Aber nein, zurück in den Wald. Dort gibt es eine Inception-artige Aufklärungsstunde zu allem, was einem so auf den Fingern brennt zum Thema Vampirismus. Meine Meinung zu diesen „Logikfüllern“ habe ich ja schon des Öfteren von mir gegeben, aber gerade in einem Genre, das so von Mythologie und Legenden lebt, ist es meiner Meinung nach einfach nur schädlich so viele Fragen zu beantworten.
60-70min:
Endlich sehe ich etwas, was den Erfolg des Filmes gerechtfertigt; die Sequenz, in der Edward Bella zu sich nach Hause nimmt. Viele interessante, komische, merkwürdige und spannende Situationen entstehen hier; auf ähnliche Art und Weise, wie Casino Royale mit diversen James Bond Gesetzmäßigkeiten aufräumte, wird hier auf selbstreflexive Art der Vampir an sich in seine Einzelteile zerlegt; Erwartung und Erklärung ergänzen sich und man bekommt ein Gefühl für ein Leben in dieser Welt; auch das Serienpotenzial kommt hier zum Vorschein, denn hier gibt’s es eine Welt, die entdeckt werden möchte; mit „Claire de Lune“ und dem erstmaligen Gefühl von emotionaler Teilnahme meinerseits (wenn auch extrem manipuliert) kulminiert die Sequenz dann im Höhepunkt des Kitsches: Einem Flug von Baum zu Baum mit anschließendem Klavierspiel, welches all die Vampir-Dynamik wieder zu einer Vampir-Romantik verklärt. Deshalb habe ich auch mehr und mehr das Gefühl, dass der Film sich nicht vorwärtsbewegt. Es gibt einfach keinen Wechsel in Stimmungen.
Casino Royale; Martin Campbell
70-80min:
Die Eltern dürfen nicht vergessen werden, ist einem der Autoren hier wohl eingefallen; die Beziehung zu den Eltern ist modern, das heißt distanziert, aber freundschaftlich. Dann endlich der erste Kuss. Hardwicke inszeniert ihn ruhig und präzise. Wieder entsteht für Augenblicke sowas wie Magie, das Problem ist eher, dass die Figuren wie Marionetten der Geschichte wirken, ihre Motivationen bleiben nebulös, denn in einem Film reicht es womöglich nicht, dass sich zwei Personen einfach verlieben, als Zuseher habe ich den Wunsch diese Liebe nachvollziehen zu können. Oft spricht man dann von der Chemie zwischen den Darstellern, die will ich Stewart und Pattinson gar nicht absprechen, aber ich glaube, dass man ihnen nicht genügend Raum gibt. Sie reden fast ausschließlich über Vampirismus und dann verzehren sie sich mit Blicken und der Funke will nicht überspringen, weil in dieser kitschigen Szene, als sie sich das erste Mal begegnen nur Kitsch und keine Substanz lag. Zudem fehlt es dem Film an einer richtigen Exposition; gezwungen dem Willen nicht zu „langweilen“, langweilt mich der Film nun, weil ich das Gefühl habe die Charaktere nicht zu kennen und auch nicht die Möglichkeit bekomme sie zu lesen, denn immer dann, wenn es interessant wird, wird geschnitten und gewackelt. Das in 10 Minuten Teile zerlegen dieses Films betont noch mehr sein, auf eine Aufmerksamkeitsspanne der Youtube-Generation geschriebenes Drehbuch. Dann gibt es Jump-Cuts und wie so oft Überblendungen, die wohl einen traumartigen Zustand vermitteln sollen, aber einfach nur stimmungstötend wirken. Apple-Produkte fühlen sich auch wohl im Twilight-Universum. Dann wird Baseball gespielt und es entwickelt sich ein Musikvideo-Flair, der aber derart durchkomponiert ist, dass es wieder dieses Serien-Gefühl in mir weckt und auf eine merkwürdige Art und Weise auch Freude auslöst. Schließlich kommen aus dem Wald drei bösartige Vampire mit vielen Bauchmuskeln und man redet.
80-90min:
Pattinson fährt Stewart mit dem Jeep durch den dunklen Wald auf der Flucht vor den bösartigen Vampiren, die Stewart ganz und gar als lecker empfinden. Warum fliegt er nicht von Baum zu Baum? Wenig ausbalanciert ist das Ganze für mein Gefühl; habe ich mich vorher noch über immer dieselbe Stimmung beschwert, sind es jetzt Wechsel in jener, die ich nicht mitmachen will. In einer effektiv-herzzerreißenden Szene muss Bella ihren Vater belügen und verletzen, um ihn zu retten. Es geht Schlag auf Schlag und jede Emotion wird von dieser unnötigen Geschwindigkeit des Plots vernichtet. Da der Film aber in einer gewissen Altersgruppe eben diese Gefühle auslöst, ist davon auszugehen, dass entweder diese Generation näher am Gefühl gebaut ist  und daher keine Langsamkeit braucht oder aber dass diese Generation einfach schneller in der Lage ist mediale Muster aufzusaugen, um sie mit eigenen Emotionen zu kombinieren. Ein weiteres Beispiel hierfür ist die kurze Szene, in der sie ihre (fast vergessenen) Freunde aus der Schule sieht; das Leben, das sie hätte haben können. Drei Sekunden scheinen hier zu reichen für die Emotion. Jetzt wird es ein richtiges Verfolgungsjagdspektakel und so weiter.
90-100min:
Endlich werden Helden geschaffen; die Familie ist in Gefahr und die Heldin ist bereit sich zu opfern. Hollywood lebt. Voice-Over und Mut. Und den Vater, trägt sie in Form eines Sprays in ihrer Tasche. Go Bella! Eigentlich ist es ganz schnell vorbei, aber um es in den Worten von Funny Games zu sagen: „Unterschätzen Sie nicht den Unterhaltungsfaktor.“, hier wird wirklich jedes Klischee bedient. Dann kommt der Held zur Rettung, aber „You’re alone…cause you’re faster than the others.“, achso, hatte mich schon gefragt. Es wird auch relativ brutal, mit der bislang kinderfreundlichen Umsetzung wird aufgeräumt. Doch die Moral wird nicht gebrochen. Gut ist, wer nichts Schlimmes tut. Der Held muss die Heldin nun aussagen, um sie vom Gift zu befreien; die Nahtoderfahrung wird meiner einer recht anschaulichen und völlig belanglosen Montage garniert. Und es gibt gleich noch einen Konflikt hinterher. Bella möchte in Zukunft bei ihrem Vater leben, aber Edward möchte, dass sie zu ihrer Mutter nach Florida zieht, damit er nicht mehr in Versuchung kommt. Das waren zehn Minuten der absoluten Fülle. Bis hin zur völligen Belanglosigkeit.
Funny Games US; Michael Haneke
100-110min:
Ah da ist der Lautner wieder; er präsentiert den Cliffhanger. Das Szenenbild ist schon auffällig; diese Gothik-Romantik Mischung, schwarz und lila sind dominierend; es gibt keine natürliche Lichtsetzung in dieser Welt, alles wirkt immer wie vom Mond durchleuchtet. Ganze Arbeit wurde da geleistet. Thom Yorke beendet mit einem weiteren Cliffhanger und irgendwo zwischen diesen Gesprächen über Unendlichkeit, Liebe und Tod muss sich Substanz und Wahrheit versteckt haben. Abspann. Danke.Aus.

Vergangenheit, das Kino und Petzold

Ich habe mir Barbara von Petzold im Kino angesehen (Kritik hier zusammen mit Annie Hall von Woody Allen); an dieser Stelle möchte ich gar nicht weiter auf meine Meinung zum Film eingehen, sondern eher eine allgemeine Beobachtung machen: Im deutschen Kino und Fernsehen beschäftigt man sich sehr häufig mit der Vergangenheit. Das ist gut und wichtig. Es gehört nun mal zu unserer Identität und es wäre absolut falsch diese zu leugnen. 
Petzold und Hoss
Beschäftigen wir uns nicht mit der Vergangenheit machen wir Komödien oder im Fernsehen Krimis. (wobei selbst diese noch sehr häufig in den Bereich der Vergangenheitsbewältigung reichen); das deutsche Kino ist aktuell nicht unbedingt ein Schlechtes. Deutsche Komödien sind durchaus in der Lage an der Kinokasse Geld zu machen und Regisseure wie Hans-Christian Schmidt (Crazy), Benjamin Heisenberg (Der Räuber), Matthias Glasner (Der freie Wille), Maren Ade (Alle Anderen), Christoph Hochhäusler (Unter dir die Stadt), Fatih Akin (Auf der anderen Seite), Hans Weingartner (Das weiße Rauschen), Thomas Arslan (Im Schatten), Angela Schanelec  (Marseille) oder eben Christian Petzold (Gespenster) spielen im europäischen Festivalzirkus eine beachtliche Rolle. 
Gespenster von Petzold
Nur leider habe ich den Eindruck, dass ein „ernster“ Film, also keine Komödie in Deutschland nur Aufmerksamkeit bekommt, wenn er sich eben mit der Vergangenheit beschäftigt. Als wären wir ein Land ohne Gegenwart. Das bedeutet nicht, dass es nicht viele Filme gäbe, die sich mit der Gegenwart beschäftigen. So sind alle Filme, die weiter oben in Klammern aufgeführt worden sind Gegenwartsfilme. Dennoch lassen wir nicht los. Immer wieder gibt es einen „neuen“ Film zum „alten“ Thema; einen Blick den man so noch nie gesehen hat. Eine neue Perspektive, eine neue, tragische Randgeschichte. Es ist vollkommen klar, dass es im Umfeld dieser Themen viele spannende Geschichten zu erzählen gibt, aber wenn man den deutschen Film nicht gleich beerdigen will, dann muss man bitte damit aufhören. Denn dann ist der deutsche Film vielleicht kein Schlechter, aber ein langweiliger. Die Generation, die heute eigentlich den Hauptanteil der Kinogänger geben sollte und die für den Fortbestand des Kinos sorgen muss, (16-28 Jahre alt) ist eine Generation, die keine Lust mehr hat auf Vergangenheitsbewältigung. Deutschland ist ein vielfältiges, vielkulturelles Land geworden, mit einer neuen Energie und da wir inzwischen wenigstens in der Lage sind über unsere Vergangenheit zu lachen, müssen wir jetzt endlich damit anfangen Film wieder als Gegenwart zu betrachten, als Möglichkeit das Leben auf die Leinwand zu bringen und nicht den Tod. 
Der Wixxer-Hitler-Parodie
Wenn ein großartiger Regisseur wie Petzold sich dafür entscheidet einen Film über die DDR zu machen und zwar, weil er das Gefühl hat, dass die DDR noch nie so gezeigt wurde, wie sie wirklich war, dann ist das sein gutes Recht und der Film bestätigt ihn zum Teil auch wirklich. Aber das ist für mich keine Frage von Ästhetik oder Kunst, es ist eine politische Frage.  Mir fehlt leider (noch) der genaue Einblick, inwiefern man diesen Missstand beheben kann, wenn überhaupt, aber ich möchte anmerken, dass es diesen Missstand gibt. Der Inhalt regiert im deutschen Kino und nicht die Kunst. Man muss sich weigern das Fördergeld wegen politisch interessanten Themen zu bekommen, man muss sich weigern die Presse aufgrund eine politischen Diskurses zu bekommen; vielmehr geht es doch darum, dass Filme wieder Filme sein können. Momentan ist das rumänische Kino ein Vorreiter. Auch dieses Kino beschäftigt sich mit Inhalt, Politik und der Vergangenheit. Aber diese Themen stehen zumindest hinter einer Filmsprache zurück, die es auch bei Petzold mal stärker ausgeprägt gegeben hat. Film ist immer auch Geschichte. Aber bitte erst an zweiter Stelle. Und da es eine derart lange Zeit dieselben politischen Diskurse im deutschen Kino gegeben hat, sind wir froh über jeden Film, der sich im heutigen Deutschland mit modernen Problemen beschäftigt und versucht ein modernes Bild von Deutschland zu geben, das dann auch gerne ein Gefühl von Kollektivschuld und Vergangenheitslast vermitteln darf. Da die Generation der heutigen Filmemacher noch nicht in der Lage ist, diese Gedanken von sich abzustreifen, ist es vielleicht der Filmemacher von Morgen?
(ich bin mir bewusst, dass dies ein heikles Thema ist und möchte darauf hinweisen, dass ich diese Gedanken eher aus einem emotionalen Affekt geschrieben habe, als aus längerer Reflektion, wobei mich der Gedanke an sich schon länger beschäftigt; es geht auch nicht zwangsläufig nur um Vergangenheitsthematik, sondern allgemein: Politische Themen.)
Der Untergang
Le pornographe-Bertrand Bonello
Ein stranger Film, irgendwo zwischen absurder Komödie, Porno und melancholischem Drama. Die Bilder sind langsam; man ist ob des Schauspiels gebannt, aber man hat das Gefühl betrogen zu werden. Nicht aufgrund des bewussten Auslassens von Informationen, sondern aufgrund bestimmter Wechsel im Erzählton, die man allzu schnell durchschaut.
Fanny och Alexander-Ingmar Bergman
Bergman hat immer den richtigen Blick; bei ihm gibt es keine falschen Entscheidungen, nur interessante Entscheidungen. Ein Familienepos, das schwer daherkommt und auch nicht leichter wird. Aber hier wird mit einem Bleistift ein riesiges Gemälde gezeichnet: Zerbrechlich und doch unendlich.

Biletsiz und Gondry

Englische Kritiken

Auf dieser türkischen Seite sind in den vergangenen 2,5 Monaten einige kurze Kritiken zu Filmen von mir erschienen. In Zukunft werde ich zu jedem Film, den ich sehe wenigstens ein paar Zeilen hier schreiben.

Be Kind Rewind (Michel Gondry)

Gestern Abend zum zweiten Mal gesehen; bin hin und hergerissen bei diesem Film. Zum einen ist der Stil von Gondry einfach zum dahinschmelzen, seine Kreativität und visuelle „Back-to-School“ Bildersprache sind atemberaubend; er liebt Filme und lässt einen das richtig spüren in diesem Film; besonders in den Sequenzen mit den „Sweded-Films“…auf der anderen Seite bedient sich Be Kind Rewind eine billigen und leicht durchschaubaren Kitsch-Dramaturgie der übelsten Sorte und hat gerade im Vergleich zu Gondry’s Eternal Sunshine of the Spotless Mind oder Science of Sleep auffallend blasse Darstellungen und Charaktere.

Bemerkenswert fand ich, dass Gondry in einem Interview erzählt hat, dass er der Crew verboten hatte die Filme, die in seinem Film „nachgefilmt“ wurden, in der Pre-Production anzuschauen. Er wollte, dass die Filme komplett aus der Erinnerung entstehen. Hier liegt ein wesentlicher Unterschied zu den meisten Fan-Filmen im Internet, die immer professioneller werden und einem zum Teil ungesunden Perfektionismus unterliegen.

Aber es gibt auch rühmliche Gegenbeispiele, die (für mich) super funktionieren:

I love going to the movies.

Ein guter Freund und angehender Kameramann, Joshua Burkert, ist gerade in den Ferien in den USA und hat dort eine interessante Erfahrung gemacht:


„My latest visit at the cinema was truly an amazing experience.
 

While vacationing in Pasadena, CA I decided on seeing „Act of Valor“, mostly because I was curious to see how the Canon 5D images would show on a large silver screen.
 

When I entered the giant Arclight Cinema I was greeted with classical music themes, underlining the impressive construction of the entrance hall and giving me a warm tickling of anticipation.
They screened the movie in an incredibly huge and beautiful black-box style auditorium (mine was #13, can’t imagine what the biggest one would look like).
 

Before the movie started an employee of the cinema got onstage and gave us some kind of movie introduction, reminding me of Chaucer in „A Knights Tale“. He was giving us a short summary of the movie facts, its length and what will be looking forward to. Then he told us that he’d stay in the auditorium for a while to sure that the sound and image quality of the presentation lines up to the ultra-high standard of this movie theatre! Incredible! He told us to lay back, relax and enjooooooy the shooooow! (inclusive motivating hand twirl). The audience cheered and the room went dark. Wow! I seldom felt such an excitement before a movie started. 

 
 

Image and audio quality were unbelievably good, the actors not that much (they had active duty navy seals starring in this film…). The 5D delivered some really nice POV action shots and Shane Hulbut, ASC (DP) did an amazing job with those compressed Canon files.

Needless to say, Arclights mission, creating „the best movie-going environment possible, through careful thought, design and attention to detail“ was a great success.“

Ich bin der Meinung, dass Kinos mit dem Einsetzen von „Ansagerinnen“ sehr an Unterhaltungswert gewinnen würden. Der soziale Aspekt des Kinogangs ist in unserer Zeit für viele junge Leute fast zum einzigen Grund für einen Kinobesuch geworden. Doch erstaunlicherweise ändern Kinos nichts an ihrem Dasein (das dritte 3D-Revival mal ausgelassen ) Durch eine dem Zielpublikum angepasste Ankündigung unmittelbar vor Filmbeginn würde das Kinovergnügen und das Gemeinschaftsgefühl sowie die Vorfreude doch sicher steigen? So könnten vor den großen Blockbustern, ähnlich einem Boxkampf die Stars und die Vorzüge des Filmes an die Leute gebracht werden, die dem ganzen mit einer guten Stimmung im Saal beiwohnen würden und in Programmkinos könnte und müsste es eine filmwissenschaftliche oder kritische Einschätzung des Filmes mit fundierten Kommentaren zur Einordnung des Werkes etc geben. Bei Filmfestivals wird diese Tätigkeit durchaus ausgeführt, aber auch dort zumeist sehr mangelhaft von Leuten, die sich erst ein paar Stunden vor Beginn mit den Filmen auseinandergesetzt haben und mehr oder weniger aus dem Programmheft vorlesen. Kino darf doch auch Spektakel sein. Ich bin mir nicht sicher, inwiefern diese Praxis früher oder in anderen Ländern üblich war oder ist, aber ich würde sie mir sehr für unser Kino heute wünschen.

Noch ein persönlicher Favorit, der dem Cinema-Announcer zumindest Nahe kommt gegen Ende des Clips:





 

Fassbender

Was ist denn eigentlich das? Was ist denn eigentlich das, was Michael Fassbender da gerade im Kino hinlegt, in Shame von seinem genialen Regisseur Steve McQueen. Ein Seelenstriptease ist das, eine Leistung für die Ewigkeit. Präsenz, dass einem über die gut 1,5 Stunden der Atem wegbleibt; ein Feuerwerk der verborgenen Gefühle. Er lässt sie alle mal zum Vorschein kommen. Steve McQueen schneidet einfach nicht, jetzt komm schon: SCHNITT! Nein.Nein, okay…dann Schärfenverlagerung…HALLO?

Er erforscht nicht nur dieses tausendfache Gesicht, diesen undurchschaubaren Mann, sondern McQueen erforscht auch den Rücken, den Nacken, die Haare, sein Geschlecht, die Beine, seine Haut. Alles. Fleischgewordene Leinwand.Und Fassbender macht keine unnatürliche Bewegung. Wenn er sitzt und seiner Schwester zuhört, als sie singt, dann ist das ergreifend und man hat das Gefühl direkt in diesen komplexen Charakter hineinzusehen. Mal fährt er aus sich heraus, dass man fast erschrickt, mal lächelt er echt, mal lächelt er gekonnt. Er genießt sein Leben nicht, er ist leer. Fassbender füllt diese innerliche Todesstarre mit so viel Leben, dass einem der Atem gefrieren kann. Der Film alleine ist ein ästethisches Meisterwerk, der mutig und zielsicher ein schwieriges Thema angeht, der eine Sogwirkung entfaltet, die weit über die bloße Faszination von Sex hinausgeht.Am Ende habe ich zum ersten Mal seit langer Zeit gefühlt für einen Charakter, weil Steve McQueen ein Filmemacher ist, der nicht seinen Charakter, um die Geschichte strikt, sondern eben den Charakter die Geschichte stricken lässt.

Wenn Kritiker von Pornographie sprechen, dann ist das fast zum Weinen…Der Duden meint: sprachliche, bildliche Darstellung sexueller Akte unter einseitiger Betonung des genitalen Bereichs und unter Ausklammerung der psychischen und partnerschaftlichen Aspekte der Sexualität

Irreversible

Doch dieser Film liest im Charakter, wenn er Sex hat, er erzählt seine Geschichte über den Sexualakt, weil er für ihn eben etwas anderes bedeutet wie für den durchschnittlichen Bürger. In einer grandios inszenierten Sexszene mit 2 Frauen, in goldenen Farben auf die Leinwand gebracht, spielt sich bei Fassbender ein Spektrum an Emotionen ab, das sich letztlich als Schlüssel zum Verständnis des ganzen Films erweist. Shame wagt sich vielleicht in ungewohntes Gebiet, aber im Vergleich zu anderen Filmen, die sich diesem Vorwurf gefallen lassen mussten, wie etwa Irreversible (Gaspar Noe ) oder Antichrist (Lars von Trier), ist bei ihm Sex Teil der Geschichte, es ist keine bloße Provokation, es ist nur ein Filmemacher, der sich mehr um Realismus und die Authenzität seines Werkes sorgt, als um Publikumreaktion oder Preisverleihungen. Danke dafür! Und es bleibt allgemein zu sagen, dass ein Filmemacher, der sich dafür entscheidet Sex auch als Sex zu zeigen und nicht als Filmsex, damit immer richtig liegt, wenn er einen Realitätsanspruch hat oder wenn er mehr erzählen will, als nur die Tatsache, dass zwei Menschen miteinander schlafen.

Antichrist

 Der Film hat vielleicht auch ein paar Schwächen und „Längen“ (Unwort!). Aber Fassbender hat sie in diesem Film nicht.Zurzeit ist er (ungleich nichtssagender) in Soderbergh’s Haywire zu sehen. Sein gesamtes Spektrum konnte man aber auch schon in seiner ersten Kollaboration mit Steve McQueen, dem bemerkenswerten Hunger bestaunen. McQueen und Fassbender scheinen in der Lage zu sein gemeinsam über bekannte Grenzen hinauszugehen, sie scheinen eine Vertrauensbasis geschaffen zu haben, die direkt aufs Publikum überspringt. Ist Hunger noch der künstlerisch anspruchsvollere, vielleicht auch bedeutendere Film, der eine unheimlich interessante Bildsprache und Erzählweise hat, so ist Shame schon ein dramaturgisch weitaus klassischerer Vertreter seiner Zunft. Eine weitere absolute Empfehlung für sein Können lieferte Fassbender in dem kleinen, aber herausragenden Film Fish Tank von Andrea Arnold. Im Geldbeutel soll es dem Deutsch-Iren auch nicht fehlen, deshalb war er u.a. in X-Men, Jonah Hex, Inglorious Basterds, 300 oder Jane Eyre zu sehen. A Dangerous Method bin ich mir nicht ganz sicher, wohin man damit so wollte.

Hunger


Demnächst ist er im neuen Alien-Film vom Meister Ridly Scott selbst, Prometheus zu sehen. mein Gefühl sagt mir aber, dass wir bis 2013 warten müssen, bis es wieder den wahren Fassbender gibt, denn dann arbeitet er wieder mit McQueen zusammen und sie machen einen Film über die Sklaverei und Brad Pitt ist dabei. Jedenfalls ein empfehlenswerter Film, nicht zuletzt, weil er zeigt, dass eben noch nicht alle Themen in gleicher Weiße abgehandelt wurden.