Nochmal Tree of Life

Nachdem mehrere Leute aus meinem Umfeld unterschiedlichst auf den Film reagiert haben und ich zudem gefragt wurde, ob ich ihn denn empfehlen würde, möchte ich nochmal ein paar Gedanken zu Terrence Malicks letztem Streich äußern:

Zunächst ist es einfach kein narrativer Film. Es ist ein Film, der auf ganz andere Art das Medium Film beleuchtet. Mit einer Bilderwucht, mit einer Flut an poetischen Impressionen und ja, mit einer sehr sehr naiven Weltansicht, die aber etwas sehr hoffnungsvolles für sich hat. (erinnert ein bisschen an Religionsunterricht 2. Klasse) Es ist nicht besonders schwer dem Inhalt zu folgen, allerdings ist es schwierig über die ganze Zeit konzentriert beim Geschehen zu bleiben, man wird fast gezwungen gedanklich abzudriften; die assoziative Art des Films, die sich auch in seiner Herstellungsweise wiederspiegelt, lädt einen förmlich dazu ein. Man kann den Film schwer mit einem herrkömmlichen Kinoerlebnis vergleichen und deshalb sind auch viele sehr enttäuscht. Ich denke, wenn man weiß worauf man sich einlässt und das auch möchte, dann ist „The Tree of Life“ um Ligen besser, als jeder andere Film, der gerade im Kino zu sehen ist. Er zeigt die Möglichkeiten des Kinos auf und fordert den Zuseher; der Regisseur scheint direkt mit uns zu kommunizieren und er benutzt die volle Bandbreite des filmischen Spektrums…wer mit dem Gezeigten nicht einverstanden ist oder es zum Teil lächerlich findet, der wurde trotzdem vom Film berührt oder zumindest auf einer Meta-Ebene gefordert.

The Tree of Life

Der Film sollte von allen, für die Film mehr ist als bloße Unterhaltung, gesehen werden. Selbst wenn sie ihn nicht mögen sollten, werden sie vielleicht, das was er in ihnen auslöst lieben.

Natürlich ist es auch von großem Wert sich ein bisschen mit dem Regisseur auseinanderzusetzen, seine Hintergründe zu kennen. Wir haben es bei Herrn Malick mit einem „Künstler“ im wahrsten Sinne des Wortes zu tun. Einer inspirierenden Persönlichkeit. Geboren wurde er am 30.November 1943 in Illinois. Seinen legendären Status in Filmkreisen hat er unter anderem seiner „Nicht-Existenz“ in der Öffentlichkeit zu verdanken. So lässt er sich schonmal in Verträge schreiben, dass keine Fotos von ihm veröffentlicht werden dürfen. Zuletzt wurde er auch in Cannes auf der Pressekonferenz zu seinem eigenen Film, vermisst. (Ein Modell, das sich Herr von Trier auch mal überlegen könnte); außerdem hat er ungewöhnlich lange Pausen zwischen der Veröffentlichung zweier Filme. (es kann schonmal 20 Jahre dauern bis der nächste Malick ins Kino kommt) Seine Filme stehen für eine Auseinandersetzung des Menschen mit der Natur, mit seiner Umwelt. Die Natur spielt allgemein eine große Rolle, die meisten seiner Filme spielen fast ausschließlich unter freiem Himmel. Häufig tritt eine Erzählerstimme in der Vordergrund; sie erzählt nicht im herrkömmlichen Sinne, sondern gibt oftmals nur Fetzen von Gedanken, poetische Äußerungen von sich. Da er in Harvard Philosophie studierte, spielen philosophische Themen eine übergeordnete Rolle in seinen Filmen. Er ist einer der wenigen Regisseure, die es über verschiedene Dekaden geschafft haben eine eigene Sprache zu behalten und die Filme zu machen, die sie wirklich machen wollen. (zumindest ist das der Eindruck). Sein Stil ist zugleich sorgsamst komponiert, als auch sehr spontan, schaut man sich seine Filme an, will man gar nicht darüber nachdenken wieviel Material dort gedreht wurde, es sieht fast so aus, als würde die Kamera die ganze Zeit laufen. Dies ist auch einer der Gründe, warum man in einem Malick Film stets mit herrausragenden Schauspielleistungen rechnen kann. Demzufolge gelingt es ihm auch immer absolute Superstars in seine Filme zu bekommen. Sie machen das Projekt für ein breiteres Publikum zugänglich. Malick ist ein Vorbild und sollte das auch noch in der heutigen Zeit sein, denn er lässt sich zwar mehr Zeit, als diese Welt hat, aber es ist eine aufrichtige Energie nach Geschichten und Erkenntnissen mit, in und durch Film, die ihn und seine Zuschauer antreibt.

Als Einstieg in das Universum des Terrence Malick bieten sich meiner Meinung allerdings „Badlands“ oder „The thin red line“ deutlich mehr an, als „The Tree of Life“; vielleicht liegt das aber auch nur daran, dass ich mit den Stimmungen und Charakteren in diesen Filmen mehr anfangen kann, als beim Gewinner der goldenen Palme in Cannes.

Badlands (1973)

Ich gebe zu, dass es mir selten so schwer gefallen ist eine klare Meinung über einen Film zu haben; ich werde ihn mir definitiv häufiger ansehen müssen, um ein klares Bild zu bekommen.

PS: Hier noch ein sehr sehr lustiger Link zum Thema: Ein Kinobetreiber warnt seine Besucher
http://www.ifc.com/news/2011/06/movie-theater-posts-hilarious.php

Telefonat mit einem Freund

Er: Ich habe mir den französischen Public Enemies angeschaut, mit Vincent Cassel…viel geiler, als der amerikanische.

Ich: Mmh ja. Schon.

Er: Ja, so krass. Lief zufällig auf 3Sat.

Ich: Dann musst du dir als nächstes „Carlos-Der Schakal“ anschauen.

Er: Was ist das?

Ich: Ein anderer französischer Gangsterfilm. Ist eigentlich eine MiniSerie fürs Fernsehen, lief aber hier im Kino. Davon gibt es eine 3 Stunden und eine 5 Stunden Version. Du schaust dir die 5 Stunden Version an.

Er: Oh ne…5 Stunden???

Ich: Ja. Das war ja auch als MiniSerie angelegt, also kannst du es ja immer nach ca. ner Stunde unterbrechen.

Er: Yeah. Das klingt doch gut.

Ich: Ja. Gefällt dir bestimmt.

Er: Wie hieß der?

Ich: Carlos?

Er: Carlos?

Ich: Ja.

(2 Filme, die sehr gut als Einstieg geeignet sind für die Leute, die glauben europäisches Kino ist langweilig und Franzosen machen nur romantische Komödien)

Carlos (von Oliver Assayas )

L’instinct de mort & L’ennemi public No 1 (von Jean-Francois Richet)

3 Interviews Vorankündigung

Vorankündigung: In der nächsten Woche werde ich hier 3 Interviews zum Thema „Was ist Film?“ gegenüberstellen: 1. Mit einem Teenager 2. Mit einem angehenden Filmproduzenten 3. Mit einem Rentner;

Bis dahin schaut euch im Kino Beginners an. Ein kleiner, aber wunderbarer Film über Einsamkeit, Melancholie, Moral: also Liebe. Wie schon 500 Days of Summer gewinnt auch dieser Film sehr aus seiner frechen und offensiven Inszenierung.